Rückblick 2008

Landesgartenschau 2008 – Viel Lob für das Blühwunder der GNU

Unser Naturgarten auf der Landesgartenschau hat uns selbst überrascht und unsere Erwartungen weit übertroffen! Was Anfang 2007 noch Ackerfläche war, wurde monatelang von einer Gruppe fleißiger GNU-Mitglieder mit viel Liebe zum Detail und großer Ausdauer in einen abwechslungsreichen und besonders blühfreudigen Garten verwandelt und gepflegt. Dabei breiteten sich die Pflanzen innerhalb des LGS-Jahres so aus, dass kaum noch ein Stück Boden zu sehen war. Auch die vielen Pflanzenschilder waren im Nu zugewachsen. Insgesamt haben wir durch Pflanzenspenden aus Privatgärten und hiesigen Gärtnereien über 170 heimische Wildpflanzen zusammengetragen. Die Auswahl war nicht immer leicht, denn schönes Aussehen, unterschiedliche Blütezeiten vom Frühjahr bis zum Herbst oder guter Duft reichten uns nicht aus. Schließlich sollten unsere Pflanzen auch Nahrung für Insekten und Vögel bieten – eine Leistung, bei der viele typische Gartenpflanzen leider versagen. Darüber hinaus wollten wir charakteristische Pflanzengemeinschaften auf unterschiedlichen Böden darstellen und so zur Umweltbildung beitragen. Deshalb wurden die Pflanzen verschiedenen Beeten mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit zugeordnet, darunter mageren Sand- und Kalkböden, nährstoffreichen Böden und einem Sumpfbeet. Eine besondere Augenweide ist aber auch unsere Trockenmauer, die mit ihren hübschen Mauerblümchen wohl zum beliebtesten Fotomotiv in unserem Garten wurde. Um Tiere im Garten über das Nahrungsangebot hinaus weiterhin zu fördern, haben wir noch Nisthilfen wie eine Wildbienenwand, einen Totholzhaufen und Nistkästen für Vögel errichtet.

Auch wenn unser Beitrag durch die zu jeder Jahreszeit üppige Blütenpracht und die uns zur Verfügung gestellten Kunstwerke zunächst einmal die Sinne ansprach, wollten wir darüber hinaus doch auch die Naturgartenidee in die Köpfe der Menschen bringen. Denn um dauerhaft Freunde und Nachahmer für einen solchen Garten zu finden, ist es wichtig, die Hintergründe, Ziele und Konzeption zu erläutern. Deshalb haben wir hierzu eine Dauerausstellung entworfen. Diese wurde unterstützt durch Wechselausstellungen zu verschiedenen Tiergruppen, die in einem naturnahen Garten beobachtet werden können: Wildbienen, Vögel, Schmetterlinge, Fledermäuse und Amphibien. Einige der Ausstellungen wurden im Anschluss an die Landesgartenschau bereits von anderen Vereinen ausgeliehen. Gerne geben wir diese auch in Zukunft gegen eine kleine Leihgebühr weiter.

Die Besucherprognosen der LGS lagen bei ca. 450.000 – einer Zahl, die eigentlich schon nicht vorstellbar war. Letztendlich kamen über 900.000! Deshalb sind wir sehr dankbar, dass sich so viele Mitglieder bereit erklärt haben, unseren Garten an den Wochenenden – und später auch in der Woche – zu betreuen! So war es möglich, die Arbeit über die Zeit der Landesgartenschau hinweg gut zu bewältigen und dem großen Interesse gerecht zu werden.

Natürlich gab es Ängste vor den vielen Fragen der Besucher. Wer ist schon Allround-Fachmann oder -frau im Naturschutz? Auch das haben wir gelöst und viele schwierige Fragen wurden später per E-Mail oder Post beantwortet. Spätestens nach dem ersten Einsatztag waren die Ängste aber verschwunden und fast alle Helfer waren mehrfach bis regelmäßig im Beratungsteam tätig. Manchem hat der Einsatz sogar so viel Spaß gemacht, dass er nach der LGS Entzugserscheinungen bekam. Es wurden untereinander neue Bekanntschaften geschlossen und das Vereinsleben richtig aktiviert. Uns haben dieses Engagement, die zum Vorschein kommenden Talente und das umfangreiche Wissen in der GNU sehr beeindruckt!

Besondere Höhepunkte waren unsere Aktionstage. Neben dem Bohren von Wildbienen-Hölzern gab es Mineralientage, Fossilientage, einen Holz-Bildhauertag, Töpfern mit Ton zusammen mit den Kindern aus unserem Waldkindergarten und die Alleenausstellung unseres Landesverbandes LNU. An diesen Tagen traten wir mit verstärkter Mannschaft an, um die große Zahl der Besucher – überwiegend Kinder, aber auch deren Eltern - zu betreuen. Mit insgesamt 13 Aktionen konnten wir über 2000 Kinder mit der Natur vertraut machen.

Auch die Fledermausnacht mit Film und Führung war ein Hit. Diese Veranstaltung ist bereits für 2009 wieder fest vereinbart. An dieser Stelle bedanken wir uns bei den Akteuren und auch den vielen Spendern, die zu unserem Erfolg beigetragen haben.

Die Reaktionen unserer Besucher waren ausgesprochen positiv. Viele haben uns ganz spontan ein Lob in unser Gästebuch geschrieben und uns für die Blütenpracht gedankt. Ständig wurde fotografiert. Samen, Ableger, Wildbienenhotels und Informationen waren heiß begehrt. Dies war ein schöner Lohn für unsere Arbeit! Mehrfach sagten unsere Akteure: „Wir geben Zeit und Mühe, aber die Besucher belohnen es mit dankbaren Worten.“ Ein bisschen gibt uns dies aber auch zu denken. Offensichtlich vermissen viele Menschen heutzutage die Vielfalt und Fülle in der Natur, in Gärten und Parks.

Anhand der Gespräche konnte man merken, dass die Naturgartenidee immer stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist. Mussten wir anfangs meist die Frage: „Wie heißt diese oder jene Pflanze?“ beantworten, entwickelte sich im Laufe der Zeit ein detailliertes Interesse und die Fragen wurden immer komplexer. Auch war der reißende Absatz unserer Bienenhölzer ein Zeichen dafür, dass sich viele aktiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Trotz des ständigen Trubels haben sich auch viele Tiere in unserem Garten eingefunden, die sich unbekümmert an den vielen Blüten und Früchten labten. Neben den Bienen von den benachbarten Imkern, Schmetterlingen und verschiedenen Vögeln, wurden fast 40 verschiedene Wildbienenarten gezählt, darunter sogar eine Rote-Liste 1 Art (Lasioglossum laticeps). Bereits im April waren die ersten Nester in der Wildbienenwand zu sehen und im Laufe des Sommers wurden sogar die zum Verkauf angebotenen Bienenhotels eifrig angeflogen. 

Eine Vielzahl von Presseartikeln, Radio-, Fernseh- und Internetauftritten haben uns sicherlich starke Beachtung verschafft. Anerkennung haben wir aber auch bei der LGS- Leitung gefunden. So war die Verleihung des Umweltpreises der Stadt Rietberg für uns ein Glückstag. Ausschlaggebend für den ersten Preis war nach Aussagen von Jury-Mitgliedern das große ehrenamtliche Engagement der GNU, da ja keiner der Helfer einen persönlichen Vorteil hatte. Wir freuen uns, dass wir den Garten auch in den nächsten Jahren der Öffentlichkeit präsentieren dürfen.

Durch die LGS hat die GNU zahlreiche Mitglieder aktiviert, 13 neue hinzu bekommen, schwarze Zahlen geschrieben und deutlich an Kompetenz gewonnen. Das haben wir fachlich mit dem Garten und organisatorisch mit der Betreuung bewiesen. Zusammenfassend kann man sagen, dass uns dieses Jahr zusammengeschweißt hat. Dies gibt uns neuen Mut für die Zukunft. Daran gilt es anzuknöpfen und die Chance zu nutzen!