Rückblick Rietberg 2010

Das Jahr begann im Februar mit der Aufregung über die aus unserer Sicht unnötige Fällung von 59 alten Eichen und Buchen, die Bestandteil einer historischen Allee waren. Diese mussten den Erweiterungsplänen der Firma Wiesenhof weichen. Bei etwas mehr gutem Willen hätte es bestimmt eine Lösung geben können, bei der mehr oder sogar alle Bäume erhalten worden wären und für die sich die GNU eingesetzt hatte. Alleen sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht beseitigt werden, denn sie sind wichtige Kulturgüter und haben eine bedeutende Funktion für den Arten- und Klimaschutz sowie für die Luftreinhaltung. Eine Kompensation durch eine Neupflanzung ist nicht gegeben, denn es dauert Jahrzehnte, bis die Bäume dieselbe Funktion einnehmen können. Es gab deshalb einigen Klärungsbedarf bei diversen Behörden. Letztlich hat man sich hier einer ziemlich engen Gesetzesauslegung bedient, demnach eine Allee einen Weg und ein Ziel haben müsste – beides kann im zeitlichen Wandel jedoch schon mal verloren gehen, wie hier. Die Bedeutung bleibt dann zwar, aber leider nicht mehr der gesetzliche Schutz. Immerhin gab es noch Auflagen zur Artenschutzprüfung. Diese wurden ignoriert. 

 

Mitte März begann die Krötenwanderung. In diesem Jahr sollte die Sperrung der Teichwiesenstraße erprobt werden. Eine sinnvolle Maßnahme, da diese Straße durch das Naturschutzgebiet führt und hier bekanntermaßen viele Kröten wandern. Auch war mit dem seltenen Moorfrosch zu rechnen. Es zeigte sich jedoch, dass es einige Gewöhnungsschwierig-keiten an die Absperrungen gab und dass diese immer wieder korrigiert und „ordnungsgemäß“ aufgestellt werden mussten. Bleibt zu hoffen, dass künftig die Akzeptanz siegt, schließlich wandern die Kröten nur eine sehr kurze Zeit im Jahr.

  

Nach dem langen Winter waren wir froh, als wir Ende März endlich wieder in unserem Naturgarten durften. Dort hatten sich allerdings Wühlmäuse und Maulwürfe ausgetobt und es waren so einige Pflanzen völlig verschwunden. Deshalb gab es einiges zu tun. Dabei hatten wir eigentlich auf Verstärkung gehofft, welche uns die Gartenschau GmbH dankenswerter-weise zu vermitteln versucht hat. Leider haben diese angesichts unserer Vielfalt und der unbekannten Pflanzen jedoch einen Rückzieher gemacht. Zugegebenermaßen ist es auch für uns nicht immer so einfach, die Pflanzen - besonders im Blattstadium - zu unterscheiden und unter Kontrolle zu halten. U. a. deshalb sind Änderungen geplant, um die Pflege zu erleichtern. Vielleicht ermutigt dies auch andere, uns zu unterstützen. Wir treffen uns jeden ersten Samstag im Monat von ca. 9.00 bis 12.00 Uhr und freuen uns über neue Gesichter - und helfende Hände. Bei der Gartenbewässerung wurden wir in diesem Jahr erfreulicherweise von der Gartenschaupark GmbH unterstützt, so dass wir hierfür nicht extra anfahren mussten. Dies war eine wirklich gute Hilfe.

 

Am 8. Mai 2010 hat Dr. Uwe Schlichting eine Fortbildung zur Wildbienenbestimmung angeboten. Es war sehr interessant, die kleinen Tierchen unter der Stereolupe genauer zu betrachten und den Schlüssel kennen zulernen, wie sie näher eingeordnet werden. Leider war die Resonanz jedoch nicht so groß. Anders sah dies bei unserer Insektenrallye aus, die wir am 28. Juli 2010 im Rahmen der Ferienspiele wieder angeboten haben. Trotz des anfänglich trüben Wetters haben die Kinder und wir noch ziemlich viele Insekten entdeckt und die Zeit dabei mal wieder total vergessen. Am 17. Oktober 2010 haben wir am Imkertag teilge-nommen. Dieser war sehr gut besucht und wir hatten fortwährend Interessierte an unserem Stand.

 

Auf meine Initiative konnte Ende August 2010 das Feuchtbiotop in Avenwedde angelegt werden. Auf einer Fläche von ca. 1.300 qm wurden per Bagger zwei kleine Teiche mit umliegenden Flachwasserzonen angelegt. Der Mutterboden wurde dabei abgetragen. Erste Kröten wurden bereits gesichtet, so dass wir mit einer schnellen Besiedelung rechnen.

 

Am meisten hat uns in diesem Jahr das Thema Biogas beschäftigt, da ja die extreme Erweiterung der Biogasanlage Hansmeier anstand. Zusammen mit Steinhagener GNUlern wurde ein Positionspapier erarbeitet. Da dieses Thema sehr komplex ist, galt es zunächst Informationen zu sammeln, zu lesen, zu bündeln und zu bewerten. Hieraus ist nun ein Entwurf entstanden, dessen Endfassung für das Jahr 2011 ansteht. Es sei vorausgesagt, dass wir durchaus ein Gefährdungspotential für Böden, Grundwasser und das Klima durch die Aufbringung von Gärresten sehen, sofern diese nicht weiter reglementiert wird, als es der Gesetzgeber aktuell vorgibt. Auch wenn wir nicht am Verfahren Hansmeier beteiligt wurden, da der Kreis als Genehmigungsbehörde keine Gefährdung von Schutzgütern sieht, haben wir dennoch ein Gutachten zu den Stoffströmen dieser Anlage erstellen lassen. Dieses empfiehlt ebenfalls weitergehende Kontrollen zum Schutz von Boden und Grundwasser. Der am
10. November 2010 erteilte Genehmigungsantrag zur Erweiterung der Fa. Hansmeier sieht zwar weitergehende Kontrollen vor. Diese decken sich aber nur zum Teil mit unseren Vorstellungen. Eine Grundlage für eine Klage besteht jedoch nicht, da die derzeitige Gesetzeslage dies nicht hergibt. Den Nachbarn, welchen es häufig stinkt, sei hier gesagt, dass der Kreis im Genehmigungsbescheid erwähnt, dass er über besondere Vorkommnisse, durch welche die Nachbarschaft oder die Allgemeinheit erheblich belästigt oder gefährdet werden könnte, zu informieren ist (Abteilung Bauen, Wohnen, Immissionen). An dieser Stelle sei dabei auch erwähnt, dass Gärreste aus Klimaschutzgründen und um Gestank zu vermeiden unmittelbar bei der Aufbringung in den Boden eingearbeitet werden sollten.

 

Von Juli bis Oktober 2010 haben wir an mehreren Workshops teilgenommen, um einen umfangreichen Fragenkatalog zu beantworten, welcher für die Teilnahme Rietbergs am „Wettbewerb Bundeshauptstadt Biodiversität“ auszufüllen war. Diese Treffen waren sehr interessant, da so eine Bestandaufnahme und ein Überblick über bisher geleistete Maßnahmen zur Biodiversität zustande kam. Unser ausgesprochener Wunsch ist es, hierauf weiter aufzubauen und auch weiterhin mit Vertretern der Stadt Rietberg, der Biostation, der Forst- und Landwirtschaft und interessierten Bürgern den Artenschutz voranzutreiben.