Steinhagen – Jahresbericht 2006

Im Zentrum der Überlegungen der Steinhagener GNU-Gruppe stand im vergangenen Jahr, wie die Flora und Fauna des Patthorster Waldes besser geschützt werden kann. Er liegt zwischen den Ortsteilen Steinhagen und Brockhagen und wird von vielen Bewohnern als siedlungsnahes Erholungsgebiet für Spaziergänge, nordic walking und Fahrrad- und Rollschuhtouren genutzt.

Der Reiz dieses Gebietes liegt in dem Wechsel zwischen Kiefernwäldchen auf Dünen, Bruchwäldern, Eichen- und Buchenwäldern, Wiesen, die von Bachläufen durchflossen werden. Auf den Pättken trifft man häufig Reiter, auf den befestigten Wegen auch Gespanne. Inzwischen haben auch Erholungssuchende aus anderen Orten die Patthorst entdeckt.

Mitten durch das Waldgebiet führt eine Gemeindestraße, auf der der Verkehr in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Verständlicherweise ist es auch für Autofahrer angenehmer, auf ruhigeren Straßen durch Waldgebiete zu fahren, als etwa die parallellaufende, frisch ausgebaute Landstraße zwischen Steinhagen und Brockhagen zu nutzen. Außerdem dient die Straße Vielen als Abkürzung zwischen Steinhagen und Halle, obwohl der dafür benötigte Schierenweg für den Durchgangsverkehr gesperrt ist. Dieser Autoverkehr schmälert den Erholungswert des Waldgebietes ganz wesentlich.

Wir haben mit vielen Anwohnern gesprochen und uns darüber informiert, welche Initiativen zur Verkehrsberuhigung der Patthorst es bereits gegeben hat und woran sie gescheitert sind.

Um eine belastbare Argumentationsgrundlage zu erhalten, haben wir am 20.10.06 von morgens 6 Uhr bis abends 21 Uhr eine Verkehrszählung durchgeführt. Insgesamt haben wir 2013 PKWs gezählt, von denen 276, also 13,7 % nicht aus dem Kreis Gütersloh kamen. Außerdem waren 113 Fahrradfahrer unterwegs. Von den PKWs fuhren 1126 auf der Patthorster Straße zwischen Brockhagen und Steinhagen. 887 benutzten die Abkürzung zwischen der Patthorster Straße und Künsebeck bzw. der B 68 über den Schierenweg. Die Beschilderung, dass diese Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt ist, erweist sich also als völlig unwirksam.

Im kommenden Jahr wollen wir Kontakt mit der zuständigen Behörde aufnehmen, um eine Verkehrsberuhigung zu erreichen.

Eines der Ergebnisse des GNU-workshops im Mai 2006 („Ideen für die Zukunft im Kreis Gütersloh – in die Praxis umgesetzt“) war, dass wir noch stärker als bisher in den Kommunen mit den in Politik und Verwaltung für Umweltbelange Zuständigen ins Gespräch kommen sollten, nachdem immer mehr Entscheidungen in den Kommunen fallen und die Mitwirkungsrechte der Umweltverbände auf Bezirks- und Landesebene eingeschränkt werden. Deshalb haben wir uns im September mit dem Bürgermeister der Gemeinde Steinhagen, Klaus Besser, getroffen und mit ihm unsere Vorhaben für die nächste Zeit besprochen und beraten, wobei wir viele nützliche Informationen, z.B. über die Patthorst, bekommen haben.

Ein Ergebnis des Gesprächs war u.a., dass wir uns im Oktober mit der Umweltbeauftragten der Gemeinde, Frau Siepen, und Thomas Bierbaum von der ULB getroffen haben, weil wir im kommenden Jahr ein Fledermaus-Projekt begleiten wollen: Die letztjährige Untersuchung der Fledermausvorkommen in Steinhagen im Zusammenhang mit der geplanten A 33 hat ergeben, dass in und um Steinhagen zahlreiche Fledermausarten in großer Zahl vorkommen. Dies gilt auch für ein kleines Wäldchen am Cronsbach in unmittelbarer Nähe vom Schulzentrum. Deshalb haben wir die Biologie-Lehrenden der Schulen gefragt, ob sie mit ihren Klassen ein Fledermausprojekt machen wollten. Unser Mitglied, Karin Kindt, die an der Realschule Biologie unterrichtet, hat sich dazu bereit erklärt. Inzwischen hat die GNU für 1000 € Fledermauskästen beschafft (300 € von der GNU, 700 € vom Kreis), die im kommenden Jahr unter Anleitung von Thomas Bierbaum von einem Biologie-Kurs des 7. Schuljahres aufgehängt werden. Im Sommer sollen die Schülerinnen und Schüler die Kästen regelmäßig beobachten und später auch reinigen. Außerdem sollen sie in der Umgebung des Wäldchens bei den Gartenbesitzern für den Verzicht auf Unkrautvernichtungsmittel und dafür werben, dass insektenfreundliche Pflanzen angebaut werden.

Auch im vergangenen Jahr war die geplante Autobahn A 33 zwischen Borgholzhausen und Bielefeld ein Dauerthema. Wie bereits berichtet hat die GNU eine Alternative dazu, nämlich einen mäßigen Ausbau der B 68 und eine Ortsumgehung für Halle, vorgeschlagen. Dafür haben wir uns an verschiedenen Stellen eingesetzt. Dass für den Abschnitt zwischen Borgholzhausen und Steinhagen wegen der notwendigen erheblichen Änderungen ein neues Planfeststellungsverfahren durchgeführt und dem Bundesverkehrsminister zur Entscheidung vorgelegt werden muss, bot die Möglichkeit, bei diesem einen „Antrag auf Plausibilitätskontrolle“ zu stellen, um die Widersprüchlichkeiten in der A 33-Planung und in den Gutachten überprüfen zu lassen. (Eine ausführliche Darstellung von Marion Ernsting findet sich im GNU-Info 2/2006.) Die A 33 wird uns also auch im kommenden Jahr weiter beschäftigen.