Rückblick 2008
Unser Arbeitsschwerpunkt im vergangenen Jahr war wieder die Verkehrsberuhigung im Waldgebiet Patthorst. Nachdem wir im Oktober 2006 eine Verkehrszählung durchgeführt und 2007 mit den Anwohnern, dem Bürgermeister und zahlreichen Vertretern der politischen Parteien im Gemeinderat gesprochen hatten, haben wir am 29. Februar 2008 einen Antrag an die Gemeinde Steinhagen gestellt, sowohl den Schierenweg, der zwar nur für den Anliegerverkehr zugelassen ist, aber als Schleichweg zwischen Steinhagen und Halle benutzt wird, zu sperren als auch für die Patthorster Straße, eine Verbindung zwischen Steinhagen und Brockhagen mitten durch den Patthorster Wald, verkehrsberuhigende Maßnahmen zu ergreifen. Als sich herausgestellt hat, dass die Stadt Halle und die Landwirtschaftskammer Bedenken gegen unseren Antrag hatten, und deutlich wurde, dass die Gemeinde den Antrag ablehnen würde, haben wir ihn zurückgezogen und uns zunächst darum gekümmert Genaueres über diese Bedenken zu erfahren und sie auszuräumen. Dies ist uns auch gelungen, sodass wir am 14.8.2008 erneut einen Antrag an die Gemeinde gestellt haben. Inzwischen war uns klar geworden, dass die Durchsetzung des Durchfahrtsverbots am Schierenweg einerseits und die Verkehrsberuhigung der Patthorster Straße andererseits verschiedene Maßnahmen erfordern und unterschiedliche Gremien damit befasst werden müssen. Deshalb haben wir beschlossen, diese beiden Maßnahmen nacheinander zu verfolgen und zunächst nur die Sperrung des Schierenwegs zu beantragen, da sie vielleicht leichter zu realisieren ist. In der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am 26. November 2008 hat sich aber gezeigt, dass bei den Mitgliedern des Ausschusses noch weiterer Informations- und Beratungsbedarf besteht, weshalb die Beratung über unseren Antrag auf die nächste Sitzung am 11. 3 2009 verschoben wurde. Bis dahin wollen wir weitere Überzeugungsarbeit leisten.
„Strauchschnitt ist Rohstoff“ heißt ein weiteres Projekt unserer Gruppe.
Es ist aus unserer Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und der Notwendigkeit, alternative Energiequellen zu erschließen, hervorgegangen. Wir wollen erreichen, dass der in privaten Gärten und öffentlichen Anlagen anfallende Strauchschnitt nicht auf Osterfeuern umweltschädlich verbrannt oder von den Kommunen als Packlage (Mulch) in der Landschaft verteilt wird. Vielmehr soll dieser Rohstoff für die Energiegewinnung (Strom und Wärme) in Hackschnitzel-Feuerungsanlagen genutzt werden.
Deshalb haben wir uns mit Bauhöfen, Land- und Forstwirten, Landschaftsgärtner sowie Straßenmeistereien in Verbindung gesetzt. Ziel ist, möglichst alles potentielle Heizmaterial zu erfassen und für eine künftige Nutzung verfügbar zu machen. Gegenwärtig entstehen zuhauf Hackschnitzelanlagen der unterschiedlichsten Größenordnung in der Region.
Wenn Strauchschnitt und andere regelmäßig anfallende Biomassen den Brennstoffbedarf dieser Anlagen nicht mehr decken, sollte auch über die Nutzung landwirtschaftlicher Ackerflächen für den Anbau von Kurzumtriebsplantagen nachgedacht werden. Dabei muss allerdings folgendes beachtet werden:
- Das Material muss aus dem engen Umfeld der Anlage kommen.
- Die Energie sollte auch in der Nähe abgenommen werden.
- Der Strauchschnitt sollte hohe holzige Anteile haben und frei von Erde sein. Erdiges oder Gartenabfälle wie Stauden sind besser in der Kompostanlage aufgehoben.
- Das Prinzip der Nachhaltigkeit muss gewährleistet sein. Dass heißt, es darf nur soviel aus der Natur entnommen werden, wie unter natürlichen Bedingungen nachwächst.
- Eine Konkurrenz mit Flächen für Nahrungsmittel sollte ausgeschlossen sein.
In diesem Zusammenhang haben wir uns auch mit der Kreisverwaltung in Verbindung gesetzt, die mit dem „integrierten ländlichen Entwicklungskonzept“ ein sehr ähnliches Ziel verfolgt.
Nach wie vor müssen wir uns mit der geplanten Autobahn A 33 beschäftigen: Vom 15. – 22. August 2008 fand die Erörterung im Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt 7.1 (Halle/Borgholzhausen) statt, der sich unmittelbar an den Steinhagener Abschnitt 6 anschließt.
Die Vertreter der Umweltverbände haben die Erörterung bereits am ersten Tag demonstrativ verlassen und mit einer Verbandsklage gegen die A 33-Planung gedroht.
Die Gründe:
· Bereits während der 7 Tage dauernden Erörterung für den Abschnittes 6 von Bielefeld bis Steinhagen mussten Vertreter der GNU feststellen, dass Zusagen der Landesregierung NRW später nicht umgesetzt wurden. (z. B. die Prüfung von umwelt- und wohnsiedlungsverträglichen Alternativen zur A 33, etwa der Ausbau der B 68 in Verbindung mit einer Ortsumgehung Halle. Die GNU hatte dazu einen Antrag eingebracht.)
· Zur Erörterung des Abschnittes 7.1 von Halle bis Borgholzhausen wurden den Umweltverbänden wesentliche Unterlagen vorenthalten, über die aber in der Erörterung diskutiert werden sollten, so z. B. Ergebnisse des Forschungsprojekts über Trennwirkungen von Autobahnen auf Fledermauspopulationen.
· Ebenso hatte die Landesregierung wesentliche, auf den Artenschutz bezogene Zusagen nicht eingehalten, wie sie in der „Gemeinsamen Erklärung“ zur „Konsenstrasse“ festgeschrieben wurden.
Wie sich auch nach Abschluss dieser Erörterung zeigt, war der Auszug der Umweltverbände ein richtiges Signal. Sie wären lediglich Teilnehmer einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung des Landesbetriebes Straßen NRW zum Durchbau der A 33 ohne wenn und aber gewesen.
Inzwischen sind neuerliche Konsensverhandlungen zum Abschnitt 7.1. begonnen worden.
Daran werden sich jedoch weder die GNU noch ihr Landesverband, die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW e.V., beteiligen. Vielmehr hat sich die GNU entschieden, gegenüber der A 33-Planung eine eigenständige Position zu vertreten.
Zwar begrüßt die GNU Bemühungen, die Belange des Naturschutzes zu stärken. Jedoch wiegen die Eingriffe durch die A 33 und deren Folgen für Natur und Umwelt so schwer, dass die GNU den Bau dieser Autobahn in der geplanten Form für nicht akzeptabel hält und nicht mittragen will.
Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Zerschneidungswirkung von Autobahnen und die Wirkung von Querungshilfen noch wenig erforscht sind. Nahezu wöchentlich gibt es neue, sich z. T. widersprechende Erkenntnisse, wie z. B., dass Querungshilfen wie Irritationsschutzwände gerade für gefährdete Tierarten womöglich die Zerschneidungswirkung verstärken.
Wir sind der Auffassung, dass der Bau der A 33 durch die Gebiete von Borgholzhausen, Halle und Steinhagen unvereinbar mit geltenden rechtlichen Regelungen zum Schutz der Natur ist.
Wie alle GNU-Gruppen haben auch wir den GNU-Beitrag auf der Landesgartenschau in Rietberg unterstützt und unseren Naturgarten vom 31. 5. bis zum 21. 6. 2008 betreut. 10 Steinhagener GNU-Mitglieder waren daran beteiligt.
Seitenanfang