Rückblick 2009
Auch im Jahr 2009 war die Verkehrsberuhigung im Waldgebiet Patthorst wieder ein Arbeitsschwerpunkt unserer GNU-Gruppe. Im März stand unser Bürgerantrag, den Schierenweg für den Durchgangsverkehr zu sperren, erneut auf der Tagesordnung des Ordnungs- und Umweltausschusses der Gemeinde Steinhagen. Zur Vorbereitung dieser Sitzung hatten wir Anfang Februar eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit den Anwohnern durchgeführt, bei der sich bestätigte, dass sich die Anwohner des Schierenwegs uneinig darüber sind, was schlimmer ist: die Belästigung durch den Durchgangsverkehr oder eine mögliche Behinderung durch eine Sperrung. Anfang März hatten wir zusammen mit Mitgliedern des Ordnungs- und Umweltausschusses und Anwohnern eine Begehung des Schierenwegs durchgeführt, damit die Ausschussmitglieder einen aktuellen Eindruck von der Verkehrssituation auf dem Schierenweg bekamen. Unser Antrag wurde zwar abgelehnt, aber wir konnten bei allen Verantwortlichen doch soviel Problembewusstsein aktivieren, dass wenigstens auf der Patthorster Straße eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h eingeführt wurde. Dies hat zu einer deutlichen Verlangsamung und Verringerung des Durchgangsverkehrs geführt.
Im Frühjahr haben wir außerdem die Möglichkeit zur Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Umsetzung der Wasser-Rahmen-Richtlinie wahrgenommen und mit Unterstützung durch die Gemeinde Vorschläge für Verbesserungsmaßnahmen am Abrooksbach und seinen Zuflüssen Foddenbach, Kronsbach und Jückemühlenbach erarbeitet.
Projekt „Alltagsradwegenetz“ in Steinhagen: Es ist ein Akt der klugen Lust, Rad zu fahren – sagt Wolfgang Sachs vom Wuppertalinstitut. Es ist Klimaschutz pur, durchlüftet die Lungen, hält uns in Bewegung, man kann direkt vor der Tür von Geschäften, Schule, Betrieben parken – lärmfrei, abgasfrei – und es macht Spaß, jedenfalls meistens.
In Steinhagen hält sich dieser Spaß in Grenzen, weil die Radwegeführung verwirrend, manchmal gefährlich ist. Der Radler muss von hohen Gehsteigen runterholpern und wieder rauf. Insgesamt lädt dieses „Radwegenetz“ nicht zum Radeln ein.
Grund genug für die GNU, sich für die Verbesserung dieses Netzes einzusetzen:
Dazu hat sie der Presseöffentlichkeit auf verschiedenen Terminen Gefahrenpunkte und Problemstellen bei den Radwegen vorgestellt, mit Unterstützung von Uli Schmidt, unserem Kenner von Radwegenetzen.
Zur Abrundung dieser GNU-Aktivitäten wurde die Umsetzung eines alltagstauglichen
Radwegenetzes vorgestellt. Zu dieser Veranstaltung im Dezember 09 hat die GNU den engagierten Mitarbeiter der Verwaltung aus Lemgo, Werner Kloppmann, eingeladen sowie mit persönlichen Schreiben alle politischen Entscheidungsträger, aber auch alle mit Rad- und Fußverkehr befassten Vereine und Menschen aus Steinhagen, auch den ADFC aus Bielefeld, weiter das Kreisverkehrsamt, die Polizei des Kreises und von Steinhagen.
Ergebnis: Die Gemeinde Steinhagen hat beschlossen, ein Wege- und Straßenkon-zept für die Bauphase der A 33 und die Zeit danach erstellen zu lassen sowie ein langfristiges Schulwege-, Fußgänger- und Radwegekonzept unter besonderer Berücksichtigung der Belange älterer und behinderter Personen. Ein kompetentes Planungsbüro ist mit dieser Aufgabe zu betrauen. Dafür sind 20 000 € im Haushalt bereit gestellt worden.
Die A 33 – eine unendliche Geschichte – 1968 bis 2009?
In einer Zeit, in der Straßenbau mitverantwortlich ist für mehr Kraftverkehr, Klima-wandel, Landschafts- und Landwirtschaftszerstörung usf., feierten Staatssekretär Günter Kozlowski (CDU), Klaus Brandner (SPD), Bürgermeister aus Borgholzhausen und Halle u.a.m. im September 2009 mit strahlenden Gesichtern den ersten Spatenstich für das A 33-Fossil in Steinhagen.
Nicht so der Bürgermeister Klaus Besser von Steinhagen. Er wollte nicht Hand anlegen bei der Zerschneidung seiner Heimatgemeinde. Dafür hat er Kritik, aber auch viel öffentlichen Zuspruch bekommen, unter anderem von der GNU.
Seitdem wird nun das Baufeld für die A 33 frei gemacht, d. h. Wälder werden gefällt, Höhlenbäume zersägt, etwa vorhandene Fledermäuse durch den Lärm von Großgeräten „vergrämt“, damit Fernleitungen verlegt, Hochspannungsmasten neu gegründet, Baustrassen gebaut werden können. Eine Schneise, fast so breit wie die Autobahn selber.
Die GNU hat dagegen in einer öffentlichen Stellungnahme protestiert, denn eigentlich ist es nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, streng geschützten Arten wie den Fledermäusen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten zu beschädigen oder zu zerstören. Sie können sich ja, hieß es, neuen Lebensraum suchen. Wem das nicht gelingt, der hat eben Pech gehabt.*
Problematisches zum Schluss:
Entgegen der Zusicherung des Landes NRW wird die A 33 nicht durchgängig gebaut. In Halle wird deshalb, um dem Verkehrsstau vorzubeugen, eine Entlastungsstraße gebaut. Das rechnet sich aber nur, wenn an dieser Straße auf 50 ha ein neues Gewerbegebiet gebaut wird.
Wegen der Schwere des Eingriffs in Natur und Landschaft waren für den Abschnitt 7.1 der A 33 (Steinhagen – Borgholzhausen) etwa 246 ha Ausgleichsmaßnahmen festgelegt worden. Nun sollen es wegen eines neuen Erlasses (ELES) der Landes-regierung NRW nur noch 40-50% dieser Fläche sein. Mit Inkrafttreten des Bundesnaturschutzgesetzes am 1. März 2010 wird diese Regelung aber höchstwahrscheinlich unwirksam. Auch damit wird das Land NRW gegenüber der „Gemeinsamen Erklärung“ mit den Umweltverbänden vertragsbrüchig. U.a. wegen dieser Vertragsbrüche prüfen die Umweltverbände in NRW eine Klage.
Biogasanlagen im Kreis Gütersloh
Die GNU hat sich intensiv mit der Planung der Biogasanlagen in Werther und in Rietberg befasst. Dabei hat sich die anfängliche Begeisterung über diese Art erneuerbarer Energien jedoch abgekühlt. Wo „Bio“ draufsteht ist nicht immer „Bio“ drin. Das ist eine Erfahrung, die nicht nur die GNU, sondern auch Politiker und betroffene Anlieger einer sogenannten Biogasanlage machen mussten.
Die heutigen Anlagen unterscheiden sich gegenüber den noch vor kurzer Zeit üblichen, bäuerlichen Anlagen durch ihre Größe und die Zusammensetzung der vergorenen Stoffe. Es entstehen gewaltige fabrikmäßige Erweiterungen auf den Höfen im ländlichen Raum. Die anfallende Abwärme kann – zu Lasten des Klimas – häufig nicht oder nicht in ausreichendem Maße genutzt werden. Insbesondere so genannte Co-Fermenter werden z. T. mit über hundert ganz verschiedenen Materialien unterschiedlicher Herkünfte und Zusammensetzungen gespeist.
Die Gärreste werden oft über 100 qkm auf Äcker verteilt. Ob dadurch Schäden für Boden, Grund- und Oberflächenwässer entstehen, sollte genauer geprüft werden.
So wurde die Biogasanlage in Werther u. a. deswegen nicht genehmigt, da von einer Verunreinigung von Oberflächenwasser auszugehen war. Darüber hinaus verur-sachen Biogasanlagen eine Konkurrenzsituation unter den Landwirten. Einerseits stehen wegen des Anbaus von Energiepflanzen für Anlagen, die nachwachsende Rohstoffe wie z. B. Mais nutzen (NawaRo-Anlagen), weniger Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln oder auch anderweitig nutzbaren, nachwachsenden Rohstoffen zur Verfügung. Andererseits werden für Äcker, auf denen Gärreste entsorgt werden, häufig deutlich höhere Pachtpreise bezahlt.
Die GNU wird sich deshalb noch länger hiermit befassen müssen und hofft, dass ihr dabei viele Engagierte zur Seite stehen.
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