Biotop am Berensweg

Der Weg eines Biotops oder Wie die Gemeinde Verl mit dem Naturschutz umgeht

Ein seit Jahren bestehendes Biotop im Waldgebiet zur Grenze zwischen Gütersloh und Verl, am Berensweg, ist den Baumaßnahmen der Verler Gemeinde zum Opfer gefallen.

Das Gelände im Osten Güterslohs gehört zu einem feuchten und Waldreichen Bereich im Grenzgebiet zu Verl - Sürenheide. Dieses urwüchsige Fleckchen Natur zeigte uns, was früher hier war: Sandboden mit typischem Kiefernbestand, Heide, Binsengräser und einer entsprechenden Tiervielfalt. Durch den hohen Grundwasserstand gab es ganzjährig Tümpel, in denen sich Amphibienpopulationen wohl fühlten.

Durch die Autobahn A2 war dieser Landstreifen vom übrigen Stadtgebiet etwas isoliert, so dass erst Mitte der 80iger Jahre das Gebiet als Gewerbegebiet für die Stadt Gütersloh interessant wurde.

Während dieser Zeit beobachteten Mitglieder der GNU das Gebiet sehr genau und hielten engen Kontakt zum Umweltamt der Stadt Gütersloh. Schließlich wurde im Jahr 1988 ein Pflegevertrag zwischen der GNU und der Stadt Gütersloh geschlossen. Zu dieser Zeit gab es in dem Gebiet nur eine begrenzte Ansiedlung von Gewerbebetrieben auf Gütersloher Seite. Der Naturschutz wurde aber beachtet und per Auflagen von den Nachbarbetrieben respektiert.

Das Biotop lag auf Gütersloher Seite, das Rückzugsgebiet der Amphibien aber war ein Waldstück auf Verler Gelände, dessen Besitzer zu dieser Zeit Tenge Rietberg war. Dieser Wald von ca.3 ha war Naturschutzgebiet mit altem Baumbestand, Hecken und einem vielfältigen Vogelbestand.

Seit den 90iger Jahren wurde auf Gütersloher Seite näher an das Biotop gebaut, so ist das Nachbargrundstück im Jahr 1998 entstanden. Als direkter Nachbarbetrieb nutzt er den Teich und das umgebende Grün als „Naherholung“ in der Mittagspause.

Doch dann hatte die Verler Gemeinde ein Auge auf dieses Gebiet geworfen: die 15 ha sollten vom Naturschutz entbunden werden. Um dies durchzusetzen, wurde im Jahr 2001 bei einer nicht angekündigten und genehmigten Aktion der Wald vom Eigentümer gerodet. Den Protesten der forstlichen Fachbehörde und aus Anwohnerkreisen wurde mäßig nachgeben, in dem mit einer Ersatzaufforstung auf Verler Gebiet der Straftatbestand eingestanden wurde.

Seitdem wurde das Waldgebiet in weiteren Aktionen bis ins Jahr 2002 in seiner Struktur verändert.

Im Oktober 2002 beantragt schließlich die Gemeinde Verl eine Änderung des Gebietsentwicklungsplans beim RP, da laut  Herrn Berenbrinker „dem Gebiet ökologisch keine große Bedeutung mehr beizumessen sei“ ( NW vom 12.0ktober 2002).

Sowohl der Kreis Gütersloh, als auch die Bezirksregierung hielten sich zu dieser Zeit schon mit Informationen sehr zurück.

Da die Veränderungen in diesem Waldgebiet immer mehr zunahmen (unter anderem war nun ein Parkplatz entstanden), schrieb die GNU im Februar 2004 einen entsprechenden Brief an den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Verl, Herrn Hörsting. Auf eine Antwort wartet die GNU heute noch. Bürgerfreundlich? Auf Nachfrage in der Verwaltung ist ein solches Schreiben nicht aktenkundig und das Biotop wird in den Bauakten als „Feuerlöschteich“ geführt.

Heute, im Jahr 2007, hat Verl nun sein Ziel erreicht: das Gebiet ist Gewerbegebiet geworden und Baugrund für die Erweiterung eines Fleischverarbeitenden Betriebes nebst Zulieferindustrie. Selbst die Straße soll nach der neuen Nutzung benannt werden....