Gänse auf dem LGS-Gelände
Zwischen Sommer und Herbst 2007 sind in der heimischen Presse sehr regelmäßig Berichte erschienen, die über erhebliche Verschmutzungen von Gänsen auf den neuen weißen Stufen am Ufer des Landesgartenschau-Sees klagen. Dass die Gänse aus dem direkt benachbarten Naturschutzgebiet Interesse an der neuen Wasserfläche zeigten, ist nicht wirklich erstaunlich – die Reaktion der LGS schon eher. Recht schnell war von der Reduzierung der Gänse die Rede, simpelste Maßnahmen wie die Abdeckung der Stufen waren hingegen nicht in der Diskussion. Auf die Stellungnahme des Hegerings, „den Gänse-Bestand auf ein vertretbares Maß zu reduzieren“, hat sich die GNU mit den folgenden Anmerkungen an die LGS-Leitung gewandt:
„Der Hegering will die Wildgänse verstärkt bejagen“
Der Vorschlag des Hegerings, Gänse im Rietberger Raum zu bejagen, interpretiert das Motto der LGS „Kultur trifft Natur“ deutlich anders als es die GNU tut – wir sind bisher von einer friedlichen, unblutigen Veranstaltung ausgegangen.
Zu den Ausführungen des Hegeringleiters lässt sich in aller Kürze anmerken:
- Eine Landesgartenschau, die in unmittelbarer Nähe zu einem überregional bedeutenden Vogelschutzgebiet angelegt wird, sollte sich über den Besuch der Vögel freuen und die entstehenden Verschmutzungen nicht überbewerten. Bei Betrieb der Gartenschau und damit einhergehender verstärkter menschlicher Anwesenheit wird sich die Vogelzahl auf dem Gelände von selbst reduzieren.
- Bei den bisher veröffentlichten Klagen über den Gänsekot sind als Hauptverursacher Kanadagänse genannt worden. Der Hegeringleiter bezieht in sein Angebot des Abschusses auch gleich die Graugänse mit ein und nennt die wahrlich beängstigende Zahl von 1.500 Vögeln. Diese Individuenstärke umfasst alle Graugänse der Kreise Gütersloh und Paderborn, deren gemeinsamer Besuch bei der LGS doch eher unwahrscheinlich ist.
- Die Bejagung der Gänse bedarf einer Ausnahmegenehmigung des Landes und muss begründet werden. Die Überschrift des Glocke-Artikels „Hoffnung für Landwirte und LGS“ verdeutlicht sehr gut, dass die Diskussion um die Treppenstufen am LGS-See als willkommene Gelegenheit verstanden wird, alte Forderungen von Landwirten auf Bejagung von Gänsen in den Rietberger Vogelschutzgebieten wieder aufzugreifen und sie auszuweiten. Eine Landesgartenschau, die gerade mit ihrer Verbundenheit zur Natur wirbt, sollte sehr sorgfältig prüfen, welche Zwecke solchen Anträgen zugrunde liegen und welche sie sich zu Eigen machen will.
Wir würden eine zügige Stellungnahme der LGS zu den Besuchen der Gänse auf dem LGS-Gelände begrüßen und werden die weitere Entwicklung - auch der Abschusszahlen in diesem Gebiet - sehr aufmerksam verfolgen.
Die Antwort der Landesgarten-Verantwortlichen war kurz:
Ich kann Ihre Sorge und Fürsprache für die Gänse verstehen und nachvollziehen, so wie Sie sicher Verständnis für unsere Probleme haben.
Natürlich möchten wir nicht, dass die Graugänse ausgerottet oder völlig vertrieben werden. Wir streben einen fairen Kompromiss an, der beiden Belangen Rechnung trägt. So haben wir z.B. ein optisches Gerät aufgestellt, welches die Gänse von den Treppenstufen fernhalten soll. Auch eine „Gänseflüsterin“ möchte sich mit diesem Problem befassen, indem sie mit Hilfe der Sprache und Zeichen der Natur die Gänse etwas umsiedeln will.
Die Beurteilung einer Überpopulation an Gänsen ist nicht unsere Kernkompetenz, sondern dies kann die Jägerschaft sicherlich deutlich besser beurteilen.
Zwei Bemerkungen zu dieser Antwort:
- Von einem fairen Kompromiss zu sprechen, finde ich angesichts von Toten auf der einen und sauberen Treppenstufen auf der anderen Seite ziemlich erschütternd.
- Das Vogelschutzgebiet Rietberger Fischteiche wird sehr intensiv von der Biologischen Station und ehrenamtlichen Ornithologen betreut. Warum die Beurteilung der Gänsepopulationen dann ausschließlich der Jägerschaft überlassen werden soll, scheint sehr fragwürdig.
Im Übrigen haben wir bei mehrmaligen Begehungen des Seebereichs maximal zwei Gänse und kaum Hinterlassenschaften angetroffen. Wir werden das Thema weiter dokumentieren und eventuell eine Umfrage unter den Bürgern vor und auch während der Landesgartenschau über den gewünschten Umgang mit den Gänsen initiieren. Das Ergebnis würden wir selbstverständlich der LGS zur Verfügung stellen.
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