Ein Stückchen Wald zur Erinnerung

GNU-Waldkindergarten verabschiedet Schulkinder mit traditioneller Zeltparty

Rheda. Ein Stück Rinde vom Buchenwald, eine Handvoll Sand von der Waldlichtung, ein Stein vom Wegesrand und ein Kiefernzapfen von den Bäumen vor der Kindergartenhütte – in dem kleinen Stoffbeutel, den jedes „Schulkind“ aus dem Waldkindergarten der Gemeinschaft für Natur und Umwelt (GNU) auf der Abschlussfeier bekommen hat, stecken Erinnerungen. Jeder Gegenstand steht für einen der vielen Plätze, den sie während ihrer Zeit im Wald lieb gewonnen haben. Am vergangenen Wochenende feierten die Kinder, die nach den Sommerferien eingeschult werden, mit ihren Erziehern, Eltern, Geschwistern und Freunden Abschied. Die traditionelle Zeltparty zum Abschluss des Kindergartenjahres fand in diesem Jahr bei Familie Wilmers-Roggenkamp in Batenhorst statt.

Leiterin Jennifer Austermann überreichte den Schulkindern ihre Sammelmappen mit gemalten Bildern, Basteleien und Fotos aus drei Jahren Kindergartenzeit. „Guck mal, das war Sankt Martin, als Ruth mit dem Pferd in den Wald gekommen ist. Da durften wir alle drauf reiten“, sagt Katharina und blättert eifrig durch ihre Mappe. „Fühl mal, das ist Sand vom Buddelberg“, erklärt Lilith ihrem Vater, „das Sandbild haben wir mit Kleister gemacht.“ „Hier bin ich als Pettersson verkleidet“, sagt Max und zeigt stolz auf ein Foto von der Theateraufführung, die sich die Waldkinder zum Kinderbuch „Ein Feuerwerk für den Fuchs“ ausgedacht hatten. Und dann war da noch der Tag, als der Nikolaus in den Wald kam. „Da hat es in Strömen geregnet, aber alle Kinder hatten einen Riesenspaß. Der Nikolaus hat mir nachher erzählt, dass er so was noch nie erlebt hat“, berichtet die Mutter von Lukas lachend.

Auch an die Paddeltour auf der Ems, die Dschungelrallye im Wald, die Weihnachtsfeiern, Zeltpartys und Familientage im Waldkindergarten erinnern sich alle gerne. „Wir sind wie eine große Familie“, schwärmt Lenas Mutter von der freundschaftlichen Atmosphäre. „Hier gibt es eben nur 20 Kinder, da ist alles viel persönlicher als in größeren Kindergärten.“ Entsprechend stark sei das Engagement der Eltern für die Einrichtung, freut sich Leiterin Jennifer Austermann: „Mit vereinten Kräften wurde zum Beispiel im letzten Oktober die Waldhütte renoviert und fit für das neue Kindergartenjahr gemacht.“ Auch die Müllsammelaktionen im Wald, der jährliche Tag der offenen Tür oder der Fahrdienst zu Turnhalle, Theater oder Bücherei würden von den Müttern und Vätern mitorganisiert.

Zwölf Kinder verlassen in diesem Jahr den Waldkindergarten und werden eingeschult. „Das wird ein großer Umbruch“, sagt Jennifer Austermann. In Ihrer Stimme schwingt etwas Wehmut mit, „aber viele von den ehemaligen Waldkindern kommen in den Ferien gerne für einen Tag zu uns zurück.“ So wie Philipp, der vor zwei Jahren seine Abschiedszeltparty feierte. „Die Jahre im Waldkindergarten waren auf jeden Fall ein Gewinn“, ist seine Mutter überzeugt. „Das Vorurteil, dass Waldkinder in der Schule nicht stillsitzen können, weil sie es nicht gewohnt sind, ist eindeutig falsch. Philipp konnte seinen natürlichen Bewegungsdrang im Waldkindergarten ausleben. Und im Wald lernen die Kinder auch, sich zu konzentrieren. Philipp hatte einen guten Start in der Schule.“

Um sich über ihre ersten Erfahrungen mit der Schule auszutauschen, haben die Eltern der diesjährigen Abgänger beschlossen, einen Ehemaligen-Stammtisch zu gründen. Das erste Treffen soll im September stattfinden. Dann wird Jennifer Austermann bereits einen neuen Schwung Sammelmappen angelegt haben – für die jüngsten Mitglieder der großen Waldfamilie, die gerade anfangen, die Geheimnisse der Natur für sich zu entdecken.

Zehn der zwölf Waldkindergartenkinder, die in diesem Jahr eingeschult werden, mit Leiterin Jennifer Austermann (links), Erzieher Ralf Toppmöller und der ehemaligen Erzieherin Kathrin Plaskaty, die ihre Waldkinder zum Abschluss noch mal besuchte.

Die „Schulkinder“ bekommen zum Abschied von Erzieher Ralf Toppmöller einen kleinen Stoffbeutel voll mit Erinnerungen an den Wald.

Leiterin Jennifer Austermann überreicht den Waldkindergartenkindern, die nach den Ferien eingeschult werden, ihre Kindergartenmappen.

Auf der Zeltparty durften alle Kinder Stockbrot backen.