Im Garten der wilden Tiere
Die GNU entwickelt einen Entdeckerpfad im Gartenschaupark Rietberg
Ungewohnter Maschineneinsatz im Naturgarten: Ein Frontlader schaufelt im Naturteil mitten im
Gartenschaupark. Es ist der Startschuss für den "Entdeckerpfad im Garten der wilden Tiere" der
Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V.. Die GNU hat den Pfad als 20
000 €-LEADER-Kleinprojekt bewilligt bekommen und legt jetzt los.
Seit 18 Jahren halten die Ehrenamtlichen den großen Naturgarten per Hand in Schuss. Für den
barrierefreien Ausbau der Kieswege wurde nun die Galabaufirma Zurwiehe beauftragt. "Endlich
werden die Beete rundum gut erreichbar sein und das Gras wird uns nicht mehr hereinwuchern",
freut sich Ursula Mitchell vom GNU-Arbeitskreis Naturgarten.
Danach kann es richtig losgehen, interaktive Info-Stationen werden entwickelt. Sie sollen die
Parkbesucher*innen animieren, Blick und Ohr auf heimische Wildtiere im Garten zu lenken."Wir
haben hier eine tolle Vielfalt an Schmetterlingen,Wildbienen, Käfern, Heuschrecken bis hin zu
Vögeln und Fledermäusen. Kaum jemand nimmt sie wahr. Schilder erklären diverse Wildpflanzen,
unsere Ausstellung im Pavillon verdeutlicht Grundsätze des Naturgartens. Aber Tiere leben eher im
Verborgenen. Dabei sind sie entscheidend für die Artenvielfalt, für den Naturgarten wie für das
Leben insgesamt!"
Was für Stationen zu welchen Tieren? Das wird noch nicht verraten.
Nur soviel: Sie werden zum Teil von Schautafelverlagen bestellt, zum Teil ganz selbst gestaltet,
auf jeden Fall auf die Tiere vor Ort abgestellt und so angelegt, dass sie Aktivitäten erfordern. Sie
sollen immer auch deutlich machen, was die Arten zum Leben brauchen - und was ihnen heutzutage
oft fehlt. So sollen sie Umweltbildung und Verständnis für die Naturgartenidee spielerisch fördern,
besonders unter jungen Leuten.
Johannes Wiethoff, Chef des Gartenschauparks, ist gespannt: "Vor Jahren schon hatte der Rat
beschlossen, im Park einen Naturlehrpfad anzulegen. Aber dafür gab es keinen Etat. Da sind wir
dankbar, dass die GNU hier proaktiv Mittel eingeworben hat und ihr Knowhow einbringt. Das
stärkt die Umweltbildung im Park - auch fürs Grüne Klassenzimmer und die nahegelegenen
Schulen eine gute Sache!"
Jugendliche und junge Familien, die auf dem Weg zu Spielangeboten sind oder in den Camping
Pods übernachten, haben die Naturgärtner*innen ebenfalls im Blick.
"Mit langen Sachtexten bringen wir keinen dazu, hier innezuhalten", weiß Petra Brinkmann
vom GNU-Vorstand, wie Ursula Mitchell eine ehemalige Lehrerin. Die beiden kümmern sich um
die sprachliche und technische Ausgestaltung der Forscherstationen. Susanne Klück wird die Grafik
erarbeiten. Auch fachliche Recherchen, Schreinerarbeiten sowie letztlich der Aufbau werden von
Ehrenamtlichen übernommen.
Der Entdeckerpfad wird als GT8-LEADER-Kleinprojekt zu 80% mit Mitteln des Bundes und das
Landes NRW aus der "Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agarstruktur und des
Küstenschutzes" gefördert, 20% trägt die GNU selbst.
Der Zeitplan ist sportlich: Erarbeitung, Bau und Aufbau der Stationen sollen diesen Herbst
abgeschlossen sein. Die feierliche Eröffnung hat dann Zeit bis zum nächsten Frühjahr - die wilden
Tiere müssen sich jetzt erstmal auf den Winter vorbereiten...



Ich flieg auf dich – Auf Insektenpirsch im GNU-Naturgarten Rietberg
Rietberg – über 150 Wildpflanzen in ganz unterschiedlichen Lebensräumen zeigt der Naturgarten der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis GT im Gartenschaupark Rietberg. Steigert diese Vielfalt auch die Biodiversität der Insekten im Gelände?
Um das fachmännisch zu beurteilen, hatte die GNU Christian Venne von der Biologischen Station Biostation Paderborn-Senne eingeladen, einen Wildbienenexperten, der mit Kescher und Fanggläschen am laufenden Band bestimmen konnte, was da so kreuchte und fleuchte.
Die extreme Hitze war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herausfordernd, nicht so für die Insekten. Sie fanden es super und waren zahlreich unterwegs. Der große Nisthilfenstand summte nur so von unterschiedlichen Wildbienenweibchen verschiedener Arten. Darunter entdeckte der Fachmann auch parasitäre Arten, die ihre Eier in bestehende Anlagen legen, sogar eine seltene Faltenwespe.
An den üppig blau blühenden Natternköpfen ließen sich die hochspezialisierten Natternkopf-Mauerbienen in großer Zahl beobachten. Die Weibchen sammelten fleißig Pollen, um sie in die Brutröhren ihrer Eier zu stopfen, während sich die Männchen in der Nähe niedergelassen hatten, um sie zu bewachen. Die Brutröhren werden mit selbst gemachtem Mörtel verschlossen. ,„Gut, dass sie feuchten Lehm gleich am neuen Teich finden“, lobte der Entomologe. „So hat sich hier eine der größten Populationen dieser Solitär-Wildbiene in der Region entwickelt.“
In der Blühwiese identifizierte er mehrere Heuschreckenarten am „Gesang“, so auch die Nachtigallschrecke, die mit ihren Vogelverwandten stimmlich aber nicht ganz mithalten konnte. Venne freute sich, dass das GNU-Gartenpflegeteam mit schonender Staffelmahd senst: „Mit Aufsitzmäher gäbe es diese Heuschrecken hier nicht!“
Eine ganze Reihe Rote-Liste-Pflanzen erkannte der Fachmann in der Bepflanzung und erzählte begeistert und kenntnisreich von vielfältigen Anpassungen zwischen Pflanzen und Insektenarten. Faszinierende Überlebensstrategien wurden aufgezeigt und ließen selbst eingefleischte Naturgartenfans staunen.
Mit den Strukturen des GNU-Gartens war er sehr zufrieden. Unterschiedliche Blütenformen haben Insekten mit ganz verschiedenen Bedürfnissen etwas zu bieten, und von Pflanzen für Spezialisten wie Glockenblume und Natternkopf profitieren auch nicht so wählerischen Arten. Gleichzeitig gibt es Nistmöglichkeiten wie im Wildbienenstand oder im neuen Sandarium, gute Voraussetzungen also, dass sich Populationen etablieren können. Der biodiverse Naturgarten schafft es, Lebensräume für unzählige Insekten zu schaffen, die alle ihre ökologische Rolle spielen – an diesem Samstagnachmittag wurde deutlich, wie viel Spannendes es da zu beobachten und kennenzulernen gibt.



