Ich flieg auf dich – Auf Insektenpirsch im GNU-Naturgarten Rietberg
Rietberg – über 150 Wildpflanzen in ganz unterschiedlichen Lebensräumen zeigt der Naturgarten der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis GT im Gartenschaupark Rietberg. Steigert diese Vielfalt auch die Biodiversität der Insekten im Gelände?
Um das fachmännisch zu beurteilen, hatte die GNU Christian Venne von der Biologischen Station Biostation Paderborn-Senne eingeladen, einen Wildbienenexperten, der mit Kescher und Fanggläschen am laufenden Band bestimmen konnte, was da so kreuchte und fleuchte.
Die extreme Hitze war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herausfordernd, nicht so für die Insekten. Sie fanden es super und waren zahlreich unterwegs. Der große Nisthilfenstand summte nur so von unterschiedlichen Wildbienenweibchen verschiedener Arten. Darunter entdeckte der Fachmann auch parasitäre Arten, die ihre Eier in bestehende Anlagen legen, sogar eine seltene Faltenwespe.
An den üppig blau blühenden Natternköpfen ließen sich die hochspezialisierten Natternkopf-Mauerbienen in großer Zahl beobachten. Die Weibchen sammelten fleißig Pollen, um sie in die Brutröhren ihrer Eier zu stopfen, während sich die Männchen in der Nähe niedergelassen hatten, um sie zu bewachen. Die Brutröhren werden mit selbst gemachtem Mörtel verschlossen. ,„Gut, dass sie feuchten Lehm gleich am neuen Teich finden“, lobte der Entomologe. „So hat sich hier eine der größten Populationen dieser Solitär-Wildbiene in der Region entwickelt.“
In der Blühwiese identifizierte er mehrere Heuschreckenarten am „Gesang“, so auch die Nachtigallschrecke, die mit ihren Vogelverwandten stimmlich aber nicht ganz mithalten konnte. Venne freute sich, dass das GNU-Gartenpflegeteam mit schonender Staffelmahd senst: „Mit Aufsitzmäher gäbe es diese Heuschrecken hier nicht!“
Eine ganze Reihe Rote-Liste-Pflanzen erkannte der Fachmann in der Bepflanzung und erzählte begeistert und kenntnisreich von vielfältigen Anpassungen zwischen Pflanzen und Insektenarten. Faszinierende Überlebensstrategien wurden aufgezeigt und ließen selbst eingefleischte Naturgartenfans staunen.
Mit den Strukturen des GNU-Gartens war er sehr zufrieden. Unterschiedliche Blütenformen haben Insekten mit ganz verschiedenen Bedürfnissen etwas zu bieten, und von Pflanzen für Spezialisten wie Glockenblume und Natternkopf profitieren auch nicht so wählerischen Arten. Gleichzeitig gibt es Nistmöglichkeiten wie im Wildbienenstand oder im neuen Sandarium, gute Voraussetzungen also, dass sich Populationen etablieren können. Der biodiverse Naturgarten schafft es, Lebensräume für unzählige Insekten zu schaffen, die alle ihre ökologische Rolle spielen – an diesem Samstagnachmittag wurde deutlich, wie viel Spannendes es da zu beobachten und kennenzulernen gibt.



