Zur Wildbienenfauna des Naturschutzgebietes „Jakobsberg“ in Steinhagen – Amshausen (Hymenoptera, Apidae)

Uwe Schlichting

 

1. Einleitung

   Über die Verbreitung von Wildbienen im nordöstlichen Westfalen liegen bisher nur sehr wenige systematische Untersuchungen vor. Lediglich das Gebiet des Truppenübungsplatzes Senne und der angrenzenden Bereiche ist intensiver untersucht worden (Kuhlmann et al. 1991). Dagegen fehlen bisher neuere Untersuchungen für den Südhang des das Münsterländer Becken begrenzenden Teutoburger Waldes. Im Rahmen eines Projektes zur floristischen und faunistischen Untersuchung des Naturschutzgebietes „Jakobsberg“ in Steinhagen-Amshausen sollte auch die Wildbienenfauna genauer untersucht werden, fehlen doch bisher Daten über das Vorkommen von Wildbienen in diesem Gebiet vollständig.

2. Untersuchungsgebiet

   Das Naturschutzgebiet „Jakobsberg“ in Amshausen  ist das älteste Naturschutzgebiet im Kreis Gütersloh. Es liegt in der Gemeinde Steinhagen auf dem südlichen Plänerkalkzug des Teutoburger Waldes. Zentrum des Naturschutzgebietes ist der Jakobsberg mit einer Höhe von 217 m. Erstmalig unter Schutz gestellt wurde das Gebiet 1941 in einer Größe von 42 ha. Schutzgrund war vor allem das Massenvorkommen des Leberblümchens (Hepatica nobilis), dessen europäische Verbreitungsgrenze nur 5 km weiter westlich verläuft. Seither steht das Gebiet mit kleinen Unterbrechungen und geringfügig geänderten Grenzen unter Schutz. Heute ist es Teil des FFH-Gebietes „Östlicher Teutoburger Wald“.

   Das Naturschutzgebiet „Jakobsberg“ besteht aus einem relativ kleinräumigen Mosaik von Laubwald und extensiv bewirtschafteten Mähwiesen und Viehweiden. Daneben finden sich noch kleinere Reste der ehemals vorhandenen Kalkmagerrasen. Gerade die sonnenexponierten Kalkmagerrasenreste und Mähwiesen auf den nach Süden geneigten Hängen des Jakobsberges sind ideale Lebensräume für wärmeliebende Insekten, zumal diese Flächen wegen des klüftigen Kalkuntergrundes trotz der relativ hohen Jahresniederschläge schnell abtrocknen und sich aufheizen. Daneben finden sich auch Waldrandbiotope, die nicht so stark der Sonne ausgesetzt sind. Insgesamt finden sich also im Untersuchungsgebiet mosaikartig nebeneinander eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume, die für Wildbienen geeignet sind und eine große Artenvielfalt erwarten lassen. Dies gilt insbesondere für die Gruppe der endogäisch nisteten Arten, die darüber hinaus noch notwendigen Requisiten für hypergäisch nistende Arten sind allerdings in den meisten Fällen nicht vorhanden.

   Eine sehr ausführliche und genaue Beschreibung des NSG „Jakobsberg“, seiner Geschichte, Tier- und Pflanzenwelt findet sich bei Lienenbecker et al. (2004).

3. Untersuchungszeitraum und Methode

   Im Zeitraum von Anfang Mai 2003 bis Mitte August 2004 wurden insgesamt 41 Begehungen des Untersuchungsgebietes von etwa 2 – 2,5 h Dauer durchgeführt, vornehmlich in der sonnigsten Zeit zwischen 11°° und 16°°. Die Wahl der Untersuchungstage wurde nur von warmen und sonnigem Wetter abhängig gemacht, der zeitliche Abstand der einzelnen Begehungstage war deshalb wetterbedingt nicht konstant. Die Tabelle 1 zeigt die Verteilung der Begehungen auf den ganzen Untersuchungszeitraum.        

Tab. 1: Jahreszeitliche Verteilung der Fangtage


März

April

Mai

Juni

Juli

Aug.

2003

-

-

4

6

4

2

2004

2

9

5

3

3

3

 
Bei jeder Begehung wurden die Wegränder, die besonnten Waldränder und die Mähwiesen nach Bienen abgesucht. Die Erfassung erfolgte ausschließlich durch Sichtfang mit einem kleinen Handkescher meist beim Blütenbesuch, bei Arten, die im Feld sicher anzusprechen waren, wurden auch alle weiteren Beobachtungen notiert. Hummeln wurden in der Regel direkt im Feld bestimmt. Ab etwa Mitte August ging wegen der jahreszeitlich bedingten Trockenheit der Blütenflor im Gebiet zu Ende, Wildbienen waren nur noch sehr vereinzelt anzutreffen.    

Zur Determination der Bienen wurden folgende Arbeiten herangezogen:

  Gattungen

  Hylaeus

  Colletes

  Sphecodes

 Amiet et al.  (1999)     Schmiedeknecht (1930)

  Gattung

  Andrena

  Schmid-Egger u.  Scheuchl (1997)

  Gattungen

  Halictus

  Lasioglossum

 Amiet et al. (2001)

  Gattungen

  Dasypoda

  Anthidium

  Megachile

  Coelioxys

  Heriades

  Chelostoma

  Osmia

  Scheuchl (1996)

  Gattungen

  Anthophora

  Ceratina

  Nomada

  Scheuchl (2000)

  Gattung

  Bombus

  Mauss (1990)

Die Nomenklatur der Bienen richtet sich vollständig nach Schwarz et al. (1996).

4. Ergebnisse

4.1. Artenzahl

   Im Untersuchungszeitraum wurden im NSG Jakobsberg insgesamt 87 Wildbienenarten nachgewiesen, davon haben 46 Arten eine endogäische Nistweise, 21 Arten nisten hypergäisch und 20 Arten haben eine parasitoide Lebensweise. 25 der nachgewiesenen Arten, das entspricht fast 30%, stehen auf der Roten Liste für Westfalen.

4.2. Häufigkeit der Arten

   Neben der Artenliste ist noch die Individuendichte bzw. die Häufigkeit der Arten von Interesse. Allerdings ist es sehr schwierig, verlässliche Aussagen dafür zu gewinnen. Um aus den vorhandenen Daten trotzdem eine grobe Aussage zur Häufigkeit zu gewinnen, wurden folgende Häufigkeitsklassen definiert: 

ss (sehr selten)

nur 1 Tier beobachtet oder gefangen

s (selten)

2 – 5 Exemplare beobachtet oder gefangen

ns (nicht selten)

5 – 10 Exemplare beobachtet oder gefangen

h (häufig)

10 – 20 Exemplare beobachtet oder gefangen

sh (sehr häufig)

mehr als 20 Exemplare beobachtet o. gefangen

Diese Festlegung ist sicher etwas willkürlich, im Vergleich der einzelnen Arten untereinander führt sie jedoch durchaus zu einigen brauchbaren Aussagen. Allerdings muß betont werden, dass insbesondere für sehr kleine Arten (z.B. Hylaeus, kleine Lasioglossum- und Sphecodes-Arten) die Zuordnung zu den Häufigkeitsklassen unsicher ist, da diese leicht übersehen werden können. In diesen Fällen kann die Häufigkeit tendentiell als zu niedrig bewertet werden.

   20 Arten waren nach dieser Definition sehr selten, 31 Arten selten, 11 Arten nicht selten, 14 Arten häufig und 11 Arten sehr häufig.

4.3. Kommentierte Liste der 2003 und 2004 nachgewiesenen Wildbienenarten

   Die Angaben zur Roten Liste beziehen sich auf Kuhlmann, M. (1999) :  Rote Liste der gefährdeten Stechimmen Westfalens. Diese erste Fassung einer Roten Liste hat nur einen vorläufigen Charakter, da die bisherige Datenbasis zum Teil noch lückenhaft ist. Es gelten folgende Gefährdungskategorien:

     RL 0 = Ausgestorben oder verschollen

     RL R = Durch extreme Seltenheit gefährdet

     RL 1 = Vom Aussterben bedroht

     RL 2 = Stark gefährdet

     RL 3 = Gefährdet

     RL V = Vorwarnliste

Maskenbienen - Gattung Hylaeus

Hylaeus brevicornis (Nylander 1852)
polylektische Art, Nistweise hypergäisch, nach Kuhlmann et al. (1991) eine Sandart, die in der Senne häufiger vorkommt. Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss.

Hylaeus communis (Nylander 1852)
polylektische Art, Nistweise hypergäisch, die häufigste Art der Gattung. Vorkommen im Gebiet ns , meist an Brombeere gefunden.

Hylaeus confusus (Nylander 1852)
polylektische Art, seltener als Hylaeus communis. Vorkommen im Gebiet ss , auf Brombeere gefangen.

Hylaeus rinki (Gorski 1852)
Nistweise hypergäisch, eine seltene Art, die schon vereinzelt in Norddeutschland, hier in der Region in der Senne nachgewiesen wurde. Im Juli 2003 Nachweis eines Weibchens auf Achillea millefolia. RL 3 .

Hylaeus signatus (Panzer 1798)
Eine oligolektische, auf Reseda spezialierte Art, im Nordwesten Deutschlands eher selten (Theunert 2003). Die Nahrungspflanze Reseda wurde im NSG nicht nachgewiesen (Lienenbecker et al. 2004), das im Juli 2004 gefundene Männchen wurde auf Achillaea millefolia gefangen, die Art ist damit eher als Teilsiedler im Untersuchungsgebiet anzusehen.

 
Seidenbienen - Gattung Colletes

Colletes cunicularius (LINNAEUS 1761)
eine große Seidenbiene, die normalerweise in Sandgebieten streng oligolektisch auf Salix vorkommt. Das Untersuchungsgebiet ist ein völlig untypischer Lebensraum für diese Art. Vorkommen im Gebiet s , RL 3 . Im April 2004 wurden 2???und 1??auf Löwenzahn gefunden, Weiden fehlen im Gebiet völlig. Allerdings berichtet AMIET et al. (1999), dass bei der Art  seltene Ausnahmen von der Spezialisierung auf Salix vorkommen. Erst weitere Untersuchungen können klären, ob hier eine kleine Population mit abweichenden Nahrungspräferenzen existiert.

Colletes daviesanus (SMITH 1846)
oligolektisch auf Asteraceae, Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh ,vor allem auf Tanacetum vulgare, Achillea millefolia und Erigeron.

Sandbienen - Gattung Andrena

Andrena bicolor (FABRICIUS 1775)
diese Sandbiene ohne besondere Lebensraumansprüche ist eigentlich weit verbreitet. Warum sie im Untersuchungsgebiet so selten anzutreffen ist, bleibt unklar. Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Andrena carantonica (PÉREZ 1902)
kommt in der Region regelmäßig vor, allerdings immer nur in einzelnen Individuen, wurde auch im nahegelegenen Siedlungsgebiet von Halle gefunden (eigene Beobachtungen), Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Andrena chrysosceles (KIRBY 1802)
eine überall verbreitete, aber meist nur in Einzelexemplaren vorkommende polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh , eine der häufigsten Sandbienen, vor allem auf Apiaceae gefunden. RL 3 .

Andrena cineraria (LINNAEUS 1758)
polylektische Art, überall verbreitet, auch im Siedlungsgebiet von Halle beobachtet, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns , meist auf Löwenzahn sammelnd, RL 3 .

Andrena denticulata (KIRBY 1802)
oligolektische, auf Asteraceae spezialisierte Art, die nach Kuhlmann et al. (1991) nur selten in Westfalen gefunden wird. Im Untersuchungsgebiet 1??auf Senecio jacobaea gefangen, RL 3 .

Andrena flavipes (PANZER 1799)
ubiquitäre polylektische Art, bivoltin, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h . Dies gilt vor allem für die 2. Generation, während die 1. Generation nur selten beobachtet wurde. Das gleiche gilt für den bei der Art schmarotzenden Parasitoid Nomada fucata.

Andrena fulva (MÜLLER 1766)
eine überall vorkommende polylektische Art, allerdings nach Westrich (1990) hauptsächlich im Siedlungsbereich. Im Untersuchungsgebiet wurde nur 1??gefunden, obwohl die Art im umliegenden Siedlungsbereich regelmäßig zu finden ist.

Andrena gelriae (VAN DER VECHT 1927)
eine oligolektische, auf Fabaceae spezialisierte Sandbiene, die in Westfalen nur selten gefunden wird. Im angrenzenden Niedersachsen ist die Art noch nicht nachgewiesen (THEUNERT 2003), Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , RL R.

Andrena gravida (IMHOFF 1832)
eine überall vereinzelt vorkommende, polylektische Art, die allerdings in der Senne noch nicht nachgewiesen wurde (KUHLMANN et al. 1991), Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh , nach Andrena haemorrhoa die häufigste Sandbiene, RL 2 .

Andrena haemorrhoa (FABRICIUS 1781)
überall verbreitete Sandbiene, Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh , die häufigste Wildbiene im Naturschutzgebiet, die überall auf den Wiesen gefunden wird, vor allem an Löwenzahn, häufig auch auf Schlehe und Weißdorn.

Andrena helvola (LINNAEUS 1758)
verbreitete polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h. Etwa die Hälfte der gefundenen Weibchen war stylopisiert.

Andrena humilis (IMHOFF 1852)
nur vereinzelt nachgewiesene, oligolektisch auf Asteraceae sammelnde Art, in Bielefeld nicht nachgewiesen (RATHJEN 1996), in der Senne mehrere Nachweise (KUHLMANN et al. 1991). Im Untersuchungsgebiet wurde nur 1??gefunden, RL V .

Andrena labiata (FABRICIUS 1781)
in Westfalen seltener nachgewiesene, polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , RL 2 , An Potentilla verna und Veronica chamaedrys gefunden.

Andrena minutula (KIRBY 1802)
diese polylektische, weit verbreitete Art ist im Untersuchungsgebiet h , sie wurde meistens an Apiaceae, hauptsächlich Anthriscus silvestris, gefunden.

Andrena nigroaenea (KIRBY 1802)
in geringer Anzahl überall verbreitete, polylektische Art, im Untersuchungsgebiet nur 1 ??nachgewiesen.

Andrena nitida (MÜLLER 1776)
verbreitete, polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h, zwei stylopisierte Weibchen.


Andrena praecox (SCOPOLI 1763)
an Salix gebundene, oligolektische Art, überwiegend in Sandgebieten. Obwohl ein untypischer Lebensraum, wurden im Untersuchungsgebiet 2???gefunden. Da der spezifische Parasitoid Nomada ferruginata ebenfalls nachgewiesen wurde, ist zu vermuten, dass es sich nicht um verdriftete Tiere handelt, sondern dass die Art im Untersuchungsgebiet indigen ist.

Andrena proxima (KIRBY 1802)
eine sporadisch vorkommende, oligolektische Art, spezialisiert auf Apiaceae, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , ausschließlich auf Anthriscus silvestris gefunden. Im nahegelegenen Siedlungsbereich von Halle/Westf. kommt die Art ebenfalls vor (eig. Beobachtung). RL 3 .

Andrena subopaca (NYLANDER 1847)
verbreitete, polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h .

Andrena synadelpha (PERKINS 1914)
in Nordwestdeutschland verbreitete, nach Süden zu eher seltene, polylektische Art, im Untersuchugsgebiet 1??gefangen.

Andrena tibialis (KIRBY 1802)
polylektische Art, die nach KUHLMANN et al. (1991) in Westfalen nur selten auftritt. Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , RL 3 . Es wurden nur Männchen der Art gefunden, doch spricht der Nachweis des Parasitoids Nomada fulvicornis dafür, dass die Art im Untersuchungsgebiet indigen ist.

Andrena viridescens (VIERECK 1916)
eine oligolektische, auf Veronica spezialisierte Sandbiene, die nach WESTRICH (1990) im Süden verbreitet ist, im Norden allerdings fehlt. In den letzten Jahren wurden einzelne Funde auch in nördlichen Teilen Deutschlands gemeldet, so von KUHLMANN (1996) aus dem südlichen Westfalen. THEUNERT (2003) berichtet von Belegen aus den Landkreisen Holzminden und Hildesheim. Auch für Holland ist die Art in der letzten Zeit nachgewiesen (SMIT 1997). Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss ,   RL 1 .

Furchenbienen - Gattung Halictus

Halictus rubicundus (CHRIST 1791)
eine weit verbreitete, polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Halictus tumulorum (LINNAEUS 1758)
ubiquitäre, polylektische Art, häufigste Art der Gattung, nistet in kleineren Nestaggregationen. Eine solche Nestaggregation liegt direkt am Hauptwanderweg auf einer mageren Weide. Vorkommen im Untersuchungsgebiet h .

Furchenbienen - Gattung Lasioglossum

Lasioglossum albipes (FABRICIUS 1781)
weit verbreitete Art mit Siedlungsschwerpunkt an Waldrändern, polylektisch, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Lasioglossum calceatum (SCOPOLI 1763)
überall vorkommend und weit verbreitet, polylektisch, Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh , die häufigste Furchenbiene.

Lasioglossum fulvicorne (KIRBY 1802)
weit verbreitete, polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh .

Lasioglossum leucopus (KIRBY 1802)
weit verbreitet, allerdings seltener zu finden und leicht zu übersehen, polylektisch, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Lasioglossum leucozonium (SCHRANK 1781)
überall weit verbreitete, polylektische Art, nach KUHLMANN et al. (1991) eine Charakterart der Dünen und Sandmagerrasen. Trotz des wohl nicht optimalen Lebensraums Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns .

Lasioglossum morio (FABRICIUS 1793)
anspruchslose weit verbreitete Art, polylektisch, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , eventuell wegen der geringen Größe häufig übersehen, denn in den nahen Siedlungsgebieten von Halle/Westf. wurde die Art sehr häufig gefunden.

Lasioglossum pauxillum (SCHENCK 1853)
eine polylektische Art, nach KUHLMANN et al. (1991) in Westfalen selten, THEUNERT (2003) gibt als nördliche Grenze etwa den Mittellandkanal an. Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Lasioglossum punctatissimum (SCHENCK 1853)
eine polylektische Art, nach KUHLMANN et al. (1991) eine Charakterart offener Sandflächen, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss .

Lasioglossum quadrinotatum (KIRBY 1802)
eine polylektische Art, nach KUHLMANN et al. (1991) eine seltene Art der Sandgebiete, nach THEUNERT (2003) zerstreut im östlichen Niedersachsen vorkommend, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns , RL R . Das Vorkommen ist überraschend, da es sich nicht um einen typischen Lebensraum handelt.        

Lasioglossum villosulum (KIRBY 1802)
eine verbreitete, häufige, polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns .

Lasioglossum zonulum (SMITH 1848)
verbreitete, aber nur sehr zerstreut auftretende, polylektische Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss .

Blutbienen - Gattung Sphecodes

Sphecodes crassus (THOMSON 1870)
Parasitoid bei verschiedenen Furchenbienen, vor allem bei Lasioglossum pauxillum, die  hier nachgewiesen wurde, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s . 

Sphecodes ephippius (LINNE 1767)
eine verbreitete Blutbiene, Parasitoid bei verschiedenen Furchenbienen, von denen Halictus tumulorum und Lasioglossum leucozonium hier häufig bzw. verbreitet sind. Mehrere Tiere wurden an einer Nestansammlung von Halictus tumulorum gefangen. Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns .  

Sphecodes hyalinatus
(HAGENS 1882)
Parasitoid hauptsächlich bei Lasioglossum fulvicorne, die hier sehr häufig vorkommt, in der Regel deutlich seltener als Sphecodes ephippius, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss , RL R .

Sphecodes monilicornis (KIRBY 1802)
Parasitoid bei Furchenbienen der Lasioglossum calceatum - Gruppe, die hier sehr häufig gefunden werden. Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , angesichts der Verbreitung der Wirtsbienen hätte man ein stärkeres Vorkommen erwarten können.

Hosenbienen - Gattung Dasypoda

Dasypoda hirtipes (FABRICIUS 1793)
eine große und auffällige Biene, oligolektisch auf Asteraceae spezialisiert, nach KUHLMANN et al. (1991) eine Charakterart blütenreicher und offener Sandmagerrasen. Obwohl das Gebiet ein untypischer Lebensraum ist, kommt diese Art hier erstaunlich häufig vor. Im Juli ist sie die häufigste Wildbiene (außer Arten der Gattung Bombus) und sammelt auf den Mitte Juni gemähten Magerwiesen an Blüten von Hieracium spec. Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh , RL 2 . 

Woll- und Harzbienen - Gattung Anthidium

Anthidium manicatum (LINNAEUS 1758)
eine eingeschränkt polylektische, hypergäische Art, nach WESTRICH (1990) Siedlungsschwerpunkt in den Gärten der Dörfer und Städte, im Untersuchungsgebiet wurde 1??gefunden, das NSG ist sicher kein optimaler Lebensraum, geeignete Nistmöglichkeiten fehlen weitgehend.

Anthidium strigatum (PANZER 1805)
eine polylektische Harzbiene, weit verbreitet, aber nur zerstreut vorkommend. Das NSG scheint ein optimaler Lebensraum zu sein, da neben den bevorzugten Pollenquellen auch alte Nadelbäume als Harzlieferanten vorhanden sind. Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns , RL 2 .

Blattschneider- und Mörtelbienen - Gattung Megachile

Megachile alpicola (ALFKEN 1924)
eine polylektische Blattschneiderbiene, nach KUHLMANN et al. (1991) in Westfalen nur selten gefunden, Siedlungsschwerpunkt in Waldgebieten der Mittelgebirge (WESTRICH 1990), Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss .

Megachile ericetorum (LEPELETIER 1841)
eine oligolektische, auf Fabaceae spezialisierte Mörtelbiene, in der Senne nicht nachgewiesen (KUHLMANN et al. 1991), in Niedersachsen nur östlich der Weser (THEUNERT 2003). Nachweis auch im Siedlungsgebiet von Halle/Westf. (eig. Beob.), Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns , RL 3 .


Megachile versicolor (SMITH 1844)
eine weit verbreitete, aber stets nur in Einzelexemplaren vorkommende, polylektische Blattschneiderbiene, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Megachile willughbiella (KIRBY 1802)
im allgemeinen weit verbreitete, polylektische Blattschneiderbiene in geringer Individuendichte, im Siedlungsbereich teilweise häufig, so in Bielefeld (RATHJEN 1996) und Halle/Westf. (eig. Beob.), Vorkommen im Untersuchungsgebiet h , RL 3 .

Kegelbienen - Gattung Coelioxys

Coelioxys elongata (LEPELETIER 1841)
Parasitoid bei Arten der Gattung Megachile, Hauptwirt nach WESTRICH (1990) wohl Megachile willughbiella. Insgesamt wird die Art nur sehr selten gefunden. 1??an Lotus corniculatus gefangen, an der gleichen Stelle flogen auch mehrere Tiere von Megachile willughbiella.

Löcherbienen - Gattung Heriades

Heriades truncorum (LINNAEUS 1758)
weit verbreitete, oligolektisch auf Asteraceae spezialisierte Art, besonders häufig im Siedlungsbereich, hypergäische Nistweise, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Scherenbienen - Gattung Chelostoma

Chelostoma campanularum (KIRBY 1802)
oligolektische, auf Campanula spezialisierte Art, weit verbreitet, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , in den angrenzenden Siedlungen deutlich häufiger, wenn Campanula in den Gärten angepflanzt sind.

Chelostoma florisomne (LINNAEUS 1758)
weit verbreitete, häufige Art auch im Siedlungsbereich, streng oligolektisch auf Ranunculus spezilisiert, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , obwohl die Pollenspender sehr reichlich vorhanden sind.

Chelostoma rapunculi (LEPELETIER 1841)
weit verbreitete, oligolektische Art, spezialisiert auf Campanula, sehr häufig im Siedlungsbereich, Vorkommen im Untersuchungsgebiet aber s .

Mauerbienen - Gattung Osmia

Osmia leaiana (KIRBY 1802)
zerstreut verbreitete, oligolektische, auf Asteraceae spezialisierte Art, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , RL R .

Osmia leucomelana (KIRBY 1802)
verbreitete, polylektische Art, Nestbau in markhaltigen Stängeln, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .


Osmia parietina (CURTIS 1828)
zerstreut und nur lokal zu finden, polylektische Art mit Siedlungsschwerpunkt in Waldgebieten, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss , RL R .


Osmia rufa (LINNAEUS 1758)
flächendeckend vorkommend mit Schwerpunkt im Siedlungsbereich, die häufigste Art der Gattung, Vorkommen im Untersuchungsgebiet allerdings s .

Pelzbienen - Gattung Anthophora

Anthophora plumipes (PALLAS 1772)
eine polylektische, überall weit verbreitete Pelzbiene, im März und April um die Kuppe des Jakobsberg regelmäßig zu beobachten, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h .

Keulhornbienen - Gattung Ceratina

Ceratina cyanea (KIRBY 1802)
Im Süden Deutschlands häufig, nach Norden zu seltener, eine polylektische Biene, die ihr Nest in markhaltigen Stängeln baut, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s , in den unzugänglichen Brombeergestrüppen am Jakobsberg vermutlich häufiger.

Wespenbienen - Gattung Nomada

Nomada alboguttata (HERRICH-SCHÄFFER 1839)
Hauptwirt dieser Wespenbiene ist die Sandbiene Andrena barbilabris, die bisher nicht nachgewiesen werden konnte, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns , RL 3 .

Nomada bifasciata (OLIVIER 1811)
wie der Wirt Andrena gravida im allgemeinen nur zerstreut und selten zu finden, Vorkommen im Untersuchungsgebiet dagegen h , RL 2 .

Nomada fabriciana (LINNÉ 1767)
Parasitoid bei Andrena bicolor und Andrena chrysosceles, Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns .

Nomada ferruginata (LINNÉ 1767)
Parasitoid bei Andrena praecox, wie der Wirt eine ziemlich seltene Art, in der Senne nicht gefunden (KUHLMANN et al. 1991), Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss ,   RL 2 .

Nomada flava (PANZER 1798)
weit verbreitet, Parasitoid bei Andrena nitida und Andrena carantonica, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h , die häufigste Art der Gattung.

Nomada flavoguttata (KIRBY 1802)
Parasitoid bei Andrena minutula und Andrena subopaca, die beide häufig vorkommen, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h .


Nomada fucata (PANZER 1798)
Parasitoid bei Andrena flavipes, wie bei dieser Art überwiegend Tiere der 2. Generation gefangen, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Nomada fulvicornis (FABRICIUS 1793)
Parasitoid bei Andrena tibialis, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Nomada goodeniana (KIRBY 1802)
Parasitoid bei verschiedenen großen Andrena-Arten wie z.B. Andrena nitida, Vorkommen im Untersuchungsgebiet h .

Nomada marshamella (KIRBY 1802)
Parasitoid bei Andrena carantonica, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Nomada panzeri (LEPELETIER 1841)
Parasitoid vor allem bei Andrena helvola, Vorkommen im Untersuchungsgebiet   s .

Nomada ruficornis (LINNAEUS 1758)
Parasitoid bei Andrena haemorrhoa, Vorkommen im Untersuchungsgebiet im Gegensatz zum Wirt s , überall deutlich seltener als die Wirtsart.

Nomada signata (JURINE 1807)
Parasitoid bei Andrena fulva, wie diese Vorkommen im Untersuchungsgebiet ss , allgemein deutlich seltener als die Wirtsart.

Nomada succincta (PANZER 1798)
Parasitoid vor allem bei Andrena nitida, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

Hummeln - Gattung Bombus

Bombus hortorum (LINNAEUS 1761)
Vorkommen im Untersuchungsgebiet h .

Bombus hypnorum (LINNAEUS 1758)
Vorkommen im Untersuchungsgebiet ns .

Bombus lapidarius (LINNAEUS 1758)
Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh , im Sommer 2004 die häufigste
Hummel.

Bombus lucorum (LINNAEUS 1761)
Vorkommen im Untersuchungsgebiet h .

Bombus pascuorum (SCOPOLI 1763)
Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh .

Bombus pratorum (LINNAEUS 1761)
Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh .

Bombus sylvarum (LINNAEUS 1761)
im Juni 2003 wurde ein Tier beobachtet.

Bombus terrestris (LINNAEUS 1758)
Vorkommen im Untersuchungsgebiet sh .

Bombus vestalis (GEOFFROY 1785)
Parasitoid bei Bombus terrestris, Vorkommen im Untersuchungsgebiet s .

4.4 Erfassungsgrad

   Die nachgewiesenen Arten spiegeln sicher nicht das vollständige Arteninventar im Untersuchungsgebiet wider. Notwendig sind ergänzende Aussagen zum Erfassungsgrad der Untersuchung. Da es für die Region, in der das Untersuchungsgebiet liegt, keine ausreichenden Daten über das Vorkommen von Wildbienen gibt, kann der Erfassungsgrad nicht durch Vergleich mit Literaturangaben abgeschätzt werden. Deshalb werden hier andere Verfahren angewendet, um zu Aussagen zu gelangen.

   Die Erstellung einer Artenarealkurve (HAESELER 1990, V. D. HEIDE1991) ermöglicht es, aus dem Verlauf dieser Kurve den insgesamt zu erwartenden Artenbestand abzuschätzen und damit dann Aussagen zum Erfassungsgrad zu gewinnen. Dazu werden Erfassungsdurchgänge aus Fang- und Beobachtungstagen vergleichbarer Dauer und Intensität über die gesamte Untersuchungsdauer zusammengestellt. Hierdurch wird das unterschiedliche Erscheinen der Arten im Jahresverlauf berücksichtigt. Die jeweils bei jedem Erfassungsdurchgang neu nachgewiesene Artenzahl wird dann, nach kleiner werdenden Zuwächsen sortiert, aufsummiert und in einer Grafik dargestellt. Geht diese erhaltene Kurve in eine waagerechte Sättigung über, dann kann man davon ausgehen, dass das gesamte Arteninventar erfasst ist. Ist dies nicht der Fall, und das ist bei einer Untersuchung dieser Dauer wohl die Regel, kann zu mindestens aus dem Verlauf der Kurve die Sättigung abgeschätzt werden.
 




Abb. 1: Artenarealkurve der Bienen für das Naturschutzgebiet Jacobsberg 2003/2004


Die Kurve zeigt deutlich, dass eine Sättigung bisher nicht erreicht wurde, die nachgewiesenen Arten also nicht das vollständige Arteninventar wiedergeben. Eine Abschätzung durch Extrapolation der Kurve lässt eine Sättigung bei einer Artenzahl zwischen 100 und 105 erwarten.

   Ein anderes Verfahren, die sogenannte "Jackknife-Estimation", geht von der Anzahl der "unique species", der nur einmal nachgewiesenen Arten aus und liefert ebenfalls einen Erwartungswert für die Gesamtartenzahl (vergl. z,B. EHRHARDT 1999). Dieser Erwartungswert wird nach folgender Formel berechnet:

    NEW = N + NUS (n - 1)    NEW  Erwartungswert der Artenzahl
                                             n    N      nachgewiesene Artenzahl
        NUS   Anzahl der "unique species"
        n      Zahl der Erfassungsdurchgänge
              (vergl. Artenarealkurve)

Diese Abschätzung liefert eine Zahl von 106 zu erwartenden Bienenarten.   

   Beide Verfahren liefern also fast die gleichen Werte für die insgesamt zu erwartende Artenzahl der Bienen. Daraus ergibt sich für diese Untersuchung ein Erfassungsgrad von etwa 85%.

4.5 Stylopisierung

    Mehrere gefangene Sandbienen waren durch den Endoparasiten Stylops melittae (KIRBY 1802) befallen. Sechs Weibchen von Andrena helvola und zwei Weibchen von Andrena nitida waren stylopisiert mit bis zu vier Puparien, befallene Tiere anderer Arten wurden nicht gefunden.

5. Diskussion

    Einige der Ergebnisse sollen hier noch etwas ausführlicher diskutiert werden. Zunächst fällt bei der kommentierten Artenliste auf, dass einige hypergäische Arten, die in der Region im Siedlungsbereichausgesprochen häufig sind, nur selten vorkommen. Dies gilt vor allem für die Totholzbewohner unter den hypergäischen Arten wie beispielsweise Osmia rufa, die Arten der Gattung Chelostoma, Heriades truncorum und auch Anthidium manicatum. Das völlige Fehlen besonnter Totholzsrukturen im Gebiet und damit fehlende Nistmöglichkeiten erklären die zahlenmäßig geringen Vorkommen dieser Arten. Die wenigen gefundenen Tiere nutzen vermutlich das Gebiet nur als Nahrungsquelle, sie sind als Teilsiedler anzusehen und wohl nicht indigen im Gebiet.
    Faunistisch bemerkenswert sind einige weitere Funde. Für die Sandbiene Andrena viridescens ist dies der Erstfund für das nördliche Westfalen. KUHLMANN (2000) vermutet, dass diese Biene im Diemeltal im südlichen Westfalen ihre nördliche Verbreitungsgrenze hat, doch lassen die angeführten weiteren Funde eher vermuten, dass hier eine allmähliche Arealerweiterung nach Norden stattfindet. Widersprüchlich ist die Situation für die Kegelbiene Coelioxys elongata. In der Liste der in Westfalen nachgewiesenen Stechimmen (KUHLMANN 1993, 1996) fehlt diese Art, auf einer unveröffentlichten Liste der für Westfalen nachgewiesenen Bienen aus der Universität Münster vom Jahr 2000 wird sie geführt, allerdings ohne Angabe eines Funddatums. Im Verzeichnis der Hautflügler Deutschlands (DATHE et al. 2001) wird diese Art als aktuell in Nordrhein-Westfalen vorkommend geführt.
    Weiter bemerkenswert ist das verbreitete Auftreten der Wespenbiene Nomada alboguttata. Alle in der Literatur für diese Art angegebenen Wirte, allen voran Andrena barbilabris, aber auch Andrena ventralis und Andrena argentata, kommen im Untersuchungsgebiet nicht vor. Sie sind eigentlich auch nicht zu erwarten, weil die Lebensraumansprüche dieser Sandbienen im Gebiet nicht erfüllt sind, handelt es sich doch vorwiegend um typische "Sandarten". Nur Andrena barbilabris konnte bisher in der Region in den sandigen Gebieten im Südwesten von Halle/Westf. gefunden werden (eig. Beobachtung). Die Fundpunkte von Nomada alboguttata verteilen sich über das ganze Untersuchungsgebiet, Schwerpunkte waren nicht erkennbar. Die gesamten Beobachtungen lassen eigentlich nur die Hypothese zu, dass Nomada alboguttata bei einem bisher nicht bekannten weiteren Wirt schmarotzt, denn es ist bei der Intensität der durchgeführten Untersuchung nicht wahrscheinlich, dass einer der bisher bekannten Wirte übersehen wurde.
    Ebenfalls bemerkenswert sind die großen Vorkommen sonst eher seltener Arten wie Andrena gravida mit ihrem Parasitoid Nomada bifasciata, Dasypoda hirtipes und Anthidium strigatum, alle auf der Roten Liste als stark gefährdet verzeichnet. Dabei handelt es sich im Fall der Hosenbiene Dasypoda hirtipes eher um ein untypisches Biotop, dennoch wurden Tiere auf allen Wiesen im Gebiet gefunden. Nach WESTRICH (1990) liegen bei dieser Art Nistplatz und Nahrungsraum maximal 300 m auseinander, in der Regel eher weniger, demzufolge müssten sich im Untersuchungsgebiet auch Nestansammlungen finden und die Art indigen sein. Eine mögliche Erklärung für diese lokal großen Vorkommen könnte darin zu suchen sein, dass das NSG Jakobsberg schon seit etwa 60 Jahren unter Schutz steht und sich deshalb hier diese starken Populationen halten konnten, während sie sonst in der Region deutlich zurückgegangen sind und nur noch sehr selten nachgewiesen werden.

6. Zusammenfassung

    Im Naturschutzgebiet Jakobsberg in Steinhagen-Amshausen wurden 2003 und 2004 insgesamt 87 Wildbienenarten nachgewiesen, der Erfassungsgrad wurde dabei zu 85% abgeschätzt. Das sind 38% der aktuell in Westfalen vorkommenden Arten. Den besonderen Rang des NSG als Wildbienenlebensraum unterstreichen die großen lokalen Vorkommen von vier stark gefährdeten Wildbienenarten.



7. Literatur

AMIET, F., MÜLLER, A. und NEUMEYER, R. (1999): Apidae 2 - Fauna Helvetica 4,
    Neuchatel, 219 S.
AMIET, F., HERRMANN, M., MÜLLER, A. und NEUMEYER, R. (2001): Apidae 3 -   
    Fauna Helvetica 6, Neuchatel, 209 S.
EHRHARDT, H. (1999): Die Stechimmenfauna einer stillgelegten Tonkuhle im
    Landkreis Ammerland - (Hymenoptera: Aculeata).- Drosera 99, 69-94.
HAESELER, V. (1990): Wildbienen der ostfriesischen Insel Norderney
    (Hymenoptera: Apoidea). - Faun.-Ökol. Mitt. 6, 125-146.
KUHLMANN, M. (1993): Kritisches Verzeichnis ausgewählter Stechimmenfamilien
    Westfalens - Mitt. ArbGem. ostwestf.-lipp. Ent. 9, 69-85
KUHLMANN, M. (1996): Ergänzungen und erster Nachtrag zum Verzeichnis
ausgewählter Stechimmenfamilien Westfalens (Hym., Aculeata) - Mitt. ArbGem.    ostwestf.-lipp. Ent. 12, 47-56
KUHLMANN, M. (1999): Rote Liste der gefährdeten Stechimmenfamilien (Wildbienen  und Wespen, Hymenoptera Aculeata) Westfalens, 1. Fassung in: Rote Liste der  gefährdeten Pflanzen und Tiere in Nordrhein-Westfalen - LÖBF-Schr.R. 17, 563-574
KUHLMANN, M. (2000): Die Struktur von Stechimmenzönosen (Hymenoptera
    Aculeata) ausgewählter Kalkmagerrasen des Diemeltales unter besonderer
    Berücksichtigung der Nutzungsgeschichte und des Requisitenangebotes. - Abh. westf. Mus. Naturk. 62, 1-102
KUHLMANN, M., RETZLAFF, H., SCHULZE, W. und WOLF, H. (1991): Zur            
      Hautflüglerfauna (Hymenoptera) der Senne II. - Mitt. ArbGem. ostwestf.-lipp. Ent. 7,81-122
LIENENBECKER, H., FINKE, S. und ENKEMANN, E. (Hrg., 2004): Der
    Leberblümchenberg in Amshausen - Geschichte, Pflanzen- und Tierwelt des
    Naturschutzgebietes "Jakobsberg" - Heimatverein Amshausen, Selbstverlag,
    Steinhagen, 191 S. 
MAUSS, V. (1990): Bestimmungsschlüssel für die Hummeln der Bundesrepublik
    Deutschland. - Deutscher Jugenfbund für Naturbeobachtung (DJN), 50 S.
RATHJEN, H. (1996): Beitrag zur Kenntnis der Wildbienenfauna im Bielefelder
    Osning und seinem nördlichen Vorland (Hymenoptera, Apidae) - Ber. Naturwiss. Verein Bielefeld u. Umgegend 37, 205-227
SCHEUCHL, E. (1996): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen
    Deutschlands und Österreichs, Band II: Megachilidae - Melittidae - Eigenverlag, Velden/Vils, 116 S.
SCHEUCHL, E. (2000): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen
    Deutschlands und Österreichs, Band I: Anthophoridae, 2. erweiterte Auflage -     Eigenverlag, Velden/Vils, 158+31 S.
SCHMID-EGGER, C. und SCHEUCHL, E. (1997): Illustrierte Bestimmungstabellen
    der Wildbienen Deutschlands und Österreichs unter Berücksichtigung der Arten  der Scnweiz, Band III: Andrenidae - Eigenverlag, Velden/Vils, 180 S.
SCHMIEDEKNECHT, O. (1930): Die Hymenopteren Nord- und Mitteleuropas. -
    Gustav Fischer, Jena, 1053 S.
SCHWARZ, M., GUSENLEITNER, F., WESTRICH, P. u. DATHE, H. (1996): Katalog
    der Bienen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz (Hymenoptera, Apidae) -  Entomofauna, Suppl. 8, 1-398
SMIT, J. (1997): Andrena viridescens nieuw voor de Nederlandse Fauna
    (Hymenoptera: Apidae, Andrenidae):- Ent. Ber. Amst. 57, 200-201
THEUNERT,R. (2003): Atlas zur Verbreitung der Wildbienen (Hym.:Apidae) in
    Niedersachsen und Bremen (1973-2002).- Ökologieconsult-Schriften 5, 24-334
VON DER HEIDE, A. (1991): Zum Auftreten von Stechimmen in stillgelegten
    Abtorfungsflächen eines Hochmoorrestes bei Oldenburg i. O. (Hymenoptera,
    Aculeata). - Drosera 91, 57-84
WESTRICH, P. (1990): Die Wildbienen Baden-Württembergs, 2. Auflage Stuttgart,  972 S


Dieser Text wurde veröffentlicht in den Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Westfälischer Entomologen, 20.2.2005.