Amphibienschutz im Kreis Gütersloh

Von Fröschen, Kröten und Molchen hört manch ein Mensch mehr in Presse und Rundfunk, als dass er selber jene heimlichen Feuchtgebiets- aber auch Gartenbewohner live zu Gesicht bekommt. Wer nicht gezielt nach ihnen sucht, hat noch am ehesten eine Begegnung mit auf der Straße totgefahrenen Erdkröten und Grasfröschen nach einer mild-warmen Märznacht. Mit Glück hüpft auch ein einzelnes Exemplar an Regentagen oder im Dunklen über den Weg. Sicherer ist eine Beobachtung im abwechslungsreichen Naturgarten, in dessen Teich sich eine oder sogar mehrere Arten angesiedelt haben.

Das vorliegende „GNU-Spezial“ möchte das Augenmerk auf mehrere Facetten des Amphibienlebens richten: von der Gartengestaltung, über die lebensgefährliche Wanderung zu den Laichplätzen - mit denen dann auch die „Kröten-Sammelaktionen“ zusammenhängen - bis zur Umweltpolitik des Kreises Gütersloh. Am Ende des Heftes wird hoffentlich jede/r darüber nachdenken, ob nicht neue Wege des Umganges mit diesen um etliche Millionen Jahre vor den Menschen die Erde bevölkernden Tiergruppen notwendig sind, um ihnen auch in einer kultivierten Umwelt mit Massen an Menschen und ihren Maschinen, Müll, Chemikalien und vor allem Raumbedarf ein würdiges Leben - oder zumindest Überleben - zu ermöglichen.

Über die privaten Bemühungen von kreativen Naturgartenbesitzern hinaus muss sich ein wirksamer Schutz auf die weiträumigere Landschaft erstrecken, denn für das Leben einer ganzen Amphibienpopulation ist ein Gartengrundstück einfach zu klein. Es bedarf dauerhaft wirksamer Maßnahmen und Konzepte, denn der bisher vielerorts praktizierte „Folien-Krötenzaun mit eingebuddeltem Eimer dahinter“ zum Schutz der Laichwanderungen ist ein Provisorium, welches nicht über Jahrzehnte mit dem dafür erforderlichen enormen Personen-, Zeit-, Geld- und Materialaufwand betrieben werden kann.

Wie viel Zeit, Kosten und Ausdauer sind Sie bereit pro Jahr, vor allem in regnerischen Spätwinternächten an Hauptverkehrsstraßen für Kröten & Co. zu investieren - auch in 10 Jahren - oder in 50 Jahren noch? Wir bedrängen diese Tiere durch unsere Raumnutzung und Verkehr, folglich sind wir in der Pflicht Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen, die funktionieren - sonst hüpft bald nichts mehr.

 

Wenn Sie interesse an dem zugehörigen "GNU-Spezial" dazu haben, dann mailen Sie uns bitte.

Bodenlos

Wenn es um Wirtschaftsinteressen geht, ist der Naturschutz heute nur zu oft keinen sprichwörtlichen Pfifferling mehr wert. Immer wieder entscheiden sich Gemeinden und Behörden lieber kurzsichtig für angeblich mehr Gewerbesteuer als mit Weitblick für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und eine nachhaltige Wirtschaft.

In diesem GNU-Spezial wollen wir dafür ein besonders drastisches, aber leider auch typisches Beispiel aufgreifen: das Verfahren, das den Weg frei machte für das umstrittene Gewerbegebiet Brockhagen-Ost in Steinhagen. In Brockhagen sorgten Gemeinde, Kreis Gütersloh und Bezirksregierung Detmold gemeinsam dafür, dass der Wettkampf zwischen Natur und Wirtschaft zu einem ungleichen Schlagabtausch verkam, in dem die Natur bereits in der ersten Runde k.o. ging.

Der Grund: beim Genehmigungsverfahren wurden geschickt gesetzliche Vorschriften und vorgeschriebene Beteiligungsverfahren unterlaufen und damit auch die Naturschutzverbände ausgetrickst. Jetzt wird ein unersetzliches Stück freie Landschaft unwiderruflich zerstört und das nur, weil die Gemeinde Steinhagen ihrer Nachbarstadt Halle einen einzigen Unternehmer abwerben wollte. Der hätte nämlich auch in Halle bauen können – ohne zusätzliches Naturopfer. Der einzige Gewinn: in Steinhagen ging es etwas schneller – leider auch mit der Zerstörung unserer wertvollsten Ressourcen.

Ähnlich einfallsreich und mit denselben zerstörerischen Wirkungen wie in Brockhagen ist vor einigen Jahren das Gewerbegebiet „Am Bahnhof“ in Rietberg in das Überschwemmungsgebiet des Sennebaches platziert worden und werden gerade aktuell auf der „Marburg“ die Flächen für ein „interregionales Gewerbegebiet“ abgesteckt, eine Wortschöpfung, die zwar nicht die Tatsachen vor Ort ändert aber als juristischer Trick erst die Planung im Grünen ermöglichte. Auch das Beispiel Brockhagen-Ost ist für uns als GNU Anlass, fragwürdige Praktiken von Behörden und Politikern unter die Lupe zu nehmen, die im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen nicht nur einseitig wirtschaftlichen Interessen den Vorzug geben dürfen – sie haben den gesetzlichen Auftrag, für uns alle eine Zukunft zu sichern. Und dafür ist eine intakte Natur überlebensnotwendig.