Bodenlos
Wenn es um Wirtschaftsinteressen geht, ist der Naturschutz heute nur zu oft keinen sprichwörtlichen Pfifferling mehr wert. Immer wieder entscheiden sich Gemeinden und Behörden lieber kurzsichtig für angeblich mehr Gewerbesteuer als mit Weitblick für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und eine nachhaltige Wirtschaft.
In diesem GNU-Spezial wollen wir dafür ein besonders drastisches, aber leider auch typisches Beispiel aufgreifen: das Verfahren, das den Weg frei machte für das umstrittene Gewerbegebiet Brockhagen-Ost in Steinhagen. In Brockhagen sorgten Gemeinde, Kreis Gütersloh und Bezirksregierung Detmold gemeinsam dafür, dass der Wettkampf zwischen Natur und Wirtschaft zu einem ungleichen Schlagabtausch verkam, in dem die Natur bereits in der ersten Runde k.o. ging.
Der Grund: beim Genehmigungsverfahren wurden geschickt gesetzliche Vorschriften und vorgeschriebene Beteiligungsverfahren unterlaufen und damit auch die Naturschutzverbände ausgetrickst. Jetzt wird ein unersetzliches Stück freie Landschaft unwiderruflich zerstört und das nur, weil die Gemeinde Steinhagen ihrer Nachbarstadt Halle einen einzigen Unternehmer abwerben wollte. Der hätte nämlich auch in Halle bauen können – ohne zusätzliches Naturopfer. Der einzige Gewinn: in Steinhagen ging es etwas schneller – leider auch mit der Zerstörung unserer wertvollsten Ressourcen.
Ähnlich einfallsreich und mit denselben zerstörerischen Wirkungen wie in Brockhagen ist vor einigen Jahren das Gewerbegebiet „Am Bahnhof“ in Rietberg in das Überschwemmungsgebiet des Sennebaches platziert worden und werden gerade aktuell auf der „Marburg“ die Flächen für ein „interregionales Gewerbegebiet“ abgesteckt, eine Wortschöpfung, die zwar nicht die Tatsachen vor Ort ändert aber als juristischer Trick erst die Planung im Grünen ermöglichte. Auch das Beispiel Brockhagen-Ost ist für uns als GNU Anlass, fragwürdige Praktiken von Behörden und Politikern unter die Lupe zu nehmen, die im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen nicht nur einseitig wirtschaftlichen Interessen den Vorzug geben dürfen – sie haben den gesetzlichen Auftrag, für uns alle eine Zukunft zu sichern. Und dafür ist eine intakte Natur überlebensnotwendig.
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