GNU

Geplante Fällung von 472 Bäumen Kaserne Verler Str. Position GNU





Stellungnahme lokal aktiver Umweltverbände zu den geplanten Baumaßnahmen auf dem Kasernengelände an der Verler Straße – PDF Download hier

Postkartenaktion gegen Flächenverbrauch und Baumfällungen – PDF Download hier

Nachdruck und Publikationen der Zeichnungen nur mit Genehmigung der GNU © Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V. Zeichnungen: JoPelle Küker-Bünermann



Weitere Baumfällungen: Brutales Ignorieren des Klimawandels – auch Wald ist ein Eye-Catcher

Die Veranstaltung Fridays for Future am 24.09.2021 war sehr gelungen. Viele, meist junge Menschen, waren gekommen und lauschten mit Interesse den Reden. Hier nun eine Zusammenfassung der Rede von dem Vorstandsmitglied der GNU Angelika Daum:

Seit langem setzt sich die GNU für den Erhalt gesunder Bäume ein. Darum lag es mir am Herzen, über die 570 Bäume - darunter viele über hundert Jahre alte Buchen und Eichen - zu berichten, die auf dem 38 ha großen Gelände der Mansergh Kaserne an der Verler Straße gefällt werden sollen.

Vor einem Jahr informierte das Grünflächenamt, dass 2361 Straßenbäume der Stadt todkrank bzw. schon tot sind und zeitnah gefällt werden müssen.

Ein halbes Jahr später, am 01.März 2021, ging es im Hauptausschuss der Stadt Gütersloh um die Bäume auf dem Kasernengelände, die bei der zukünftigen Entwicklung des Quartiers im Wege stehen. Ganz besonders wollte die Verwaltung von der Politik eine Entscheidung über den Wald im Eingangsbereich des neuen Quartiers und stellte in ihrer Vorlage zwei Varianten zur Wahl. Variante A hieß, das Innovations-Zentrum wird in den Wald gebaut, wofür 98 Bäume gefällt werden müssten. Variante B bedeutet, das Gebäude wird woanders platziert, dafür müssten nur 18 Bäume gefällt werde. Camila Cirlini, forderte für ihre Partei DIE LINKE eine Vertagung des Punktes, da sie keine Transparenz sah und ein Umwelt-Verträglichkeits- und Artenschutzgutachten fehlte. Das wurde vom Ausschuss abgelehnt, wobei die GRÜNEN sich enthielten, die in ihrem Antrag noch weiter gingen. Die Vertreterin der GRÜNEN, Birgit Niemann-Hollatz, forderte vor allem eine Entscheidung für Variante B, wobei auch die Notwendigkeit der zu fällenden 18 Bäume hinterfragt werden müsste. Sie beantrage zudem eine Begehung mit Umweltverbänden, Verwaltung, Politik und Baumexperten, so dass man transparent machen könne, warum vorgesehen sei, bestimmte Bäume zu fällen. Die BfGT schloss sich den GRÜNEN an. Herr Kollmeyer (CDU) forderte: "Das Innovations-Zentrum muss als Eye-Catcher in den Eingangsbereich." Die Entscheidung lag nun bei der SPD. Volker Richter stimmte der CDU zu und entschied für die Fällung von 98 Bäumen, weil er meinte: "Die Alternative könne aber nicht sein, die Bäume zu erhalten und dafür keine Wohnungen zu bauen." Die standen hierbei aber überhaupt nicht zur Debatte. Fazit in der Niederschrift: Ein erneuter Beschluss ergab mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und AfD, dass man weiter die Variante A verfolgt, bei Gegenstimmen der GRÜNEN und BfGT.

Das ist aus unserer naturschutzfachlichen Sicht ein fataler Beschluss. Hierzu muss man wissen, dass dieser kleine Wald am Eingang ein Juwel ist. Er ist nach Meinung von Fachleuten unerwartet gesund. Vermutlich, weil die Engländer ihn einfach in Ruhe wachsen ließen, er in der Nähe der Dalke ausreichend mit Wasser versorgt ist und sein Boden nie durch schwere Maschinen verdichtet wurde. Das ermöglicht den Bäumen bei Starkregen große Mengen Wasser aufzunehmen. Ein ganz wichtiger Aspekt im dortigen Überschwemmungsgebiet!

Auch ein schöner kleiner gesunder Wald ist ein Eye-Catcher! Jetzt ein Gebäude mitten hineinzusetzen zeigt das brutale Ignorieren des Klimawandels. Dass dieser Vorschlag von Herrn Kollmeyer kommt, der als Landwirt selbst mit seinen Kollegen die Folgen des Klimawandels zuerst spüren wird, zumal seine Äcker im Überschwemmungsgebiet der Wapel liegen, ist völlig unverständlich. Welcher Architekt wagt es noch, ein Gebäude ohne zwingenden Grund mitten in einen intakten Wald zu setzen und dabei nicht nur 98 gesunde Bäume zu fällen, sondern auch durch schwere Baumaschinen den Boden für immer so zu verdichten, dass weitere Bäume ringsum geschädigt werden?

Die GNU meint, das dürfen wir nicht zulassen, der Wald im Eingangsbereich muss erhalten bleiben!Menschen, die den Klimawandel ernst nehmen, werden sich andernfalls mit Recht fragen, wer diesen barbarischen, völlig unzeitgemäßen Auftrag erteilt und genehmigt hat. Es wäre auch ein enormer Image-Schaden für Gütersloh, die einstmals sogenannte Stadt im Grünen. Aber auch die Planungen anderer Bereiche dieses "Siegerentwurfes", in denen weitere 472 Bäume gefällt werden sollen, müssen angesichts des Waldsterbens und der letzten Überschwemmungsereignisse dringend infrage gestellt werden.

Vielleicht ist dazu schon am 2.10.2021 Gelegenheit, denn im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit bietet die Stadtverwaltung eine Führung über das Gelände an, zu der die GNU eingeladen wurde. Während der Veranstaltung heute verteilte die GNU viele Postkarten mit passenden Karikaturen, auf denen die Teilnehmer ihren Protest an die Fraktionen von SPD und CDU richten konnten. Die Karten konnten direkt in den Briefkasten des Rathauses eingesteckt werden.

Wer ebenfalls seine Meinung an die CDU, SPD oder Verwaltung schreiben möchte, kann sich dafür unsere Postkarten hier herunterladen (siehe Link oben).

Hier geht es zur Hauptausschusssitzung vom 01.März 2021 zum Nachlesen.

Beschlussvorlage der Verwaltung:
https://ratsinfo.guetersloh.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZXQXMNw2vlPEiWCI2EoMyHmdvGokWbB-1NvS0GZrKadY/Beschlussvorlage_48-2021.pdf

Öffentliche Niederschrift:
https://ratsinfo.guetersloh.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZSnoXOrWsUKiBPhqYvcZcZKxvL2EMETqW-O9AO2fuyz_/Oeffentliche_Niederschrift_Hauptausschuss_01.03.2021.pdf



Zustand der Bäume 2020

Laut einem Bericht für den Ausschuss für Umwelt und Ordnung im September 2020 ergab der Zustand der Straßenbäume ein trauriges Bild: 2361 Bäume sind stark geschädigt bzw. schon tot.

Aber auch an anderer Stelle wird den Bäumen immer mehr zugesetzt und dass, obwohl der Erhalt jedes einzelnen Baumes nicht zuletzt aus Klimaschutzgründen wichtig ist.
So wurde die Fällung von 40 gesunden Bäumen für den Aldi- Neubau genehmigt, werden 21 gesunde Bäume für die Fußgängerbrücke gefällt, werden rund 40 gesunde Bäume, die der Baumschutz-Satzung unterliegen, für die Erweiterung der dritten Gesamtschule geopfert.
Angemerkt: Alle Ergebnisse resultieren aus Siegerentwürfen - Verlierer sind die Bäume!

In Halle, wo die Firma Storck für eine Erweiterung 80 Bäume fällen möchte, sitzen gerade junge Menschen auf den Bäumen und kämpfen für ihre/unsere Zukunft und gegen die Klimakatastrophe.

Und jetzt soll am nächsten Montag, den 1. März 2021 um 17 Uhr in der Stadthalle im Hauptausschuss über einen weiterern Siegerentwurf bzw. seinen Umgang mit den Bäumen auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne an der Verler Straße diskutiert werden.
Der überarbeitete, leicht angepasste Siegerentwurf plant eine Fällung von 472 Bäumen auf dem Gelände. Allein für den Neubau eines Innovationszentrum im Eingangsbereich des Quartiers sollen 98 gesunde Bäume gefällt werden.

Die GNU stellt folgende Fragen:

• Wie können derartige Entwürfe überhaupt noch angenommen und gar zum Sieger erklärt werden?
• Wie lässt sich das mit dem Votum der Verwaltung und Politik im Dezember 2020 vereinbaren, dass der Klimabeirat zu einem Gremium der Stadtgesellschaft für eine klimagerechte Stadtentwicklung weiterentwickelt werden soll?
• Haben Politik und Verwaltung den Ernst der Lage noch nicht begriffen oder ignoriert man ihn schlichtweg für ein „Weiter wie bisher“?
• Schert man sich gar nicht um die eigene Glaubwürdigkeit hinsichtlich seiner "Bekenntnisse" zum Klimaschutz?

Die Planungen zum Quartier zeigen eindeutig, dass man die Baumfällungen gar nicht mehr "ausgleichen" kann, denn die Flächen für Neuanpflanzungen fehlen einfach.
Für die 98 Bäume im Eingangsbereich sollen lediglich 6 neue nachgepflanzt werden, für die 472 auf dem Gelände nur 221. Den Ausweg sieht man seit einiger Zeit in Ausgleichszahlungen bzw. der Sammlung von Ökopunkten. Das macht aber eines ganz klar: Hier werden nicht nur unser Stadtklima und unsere Gesundheit geschädigt, sondern alle Bekenntnisse zum Klimaschutz zur bitteren Lachnummer/ad absurdum geführt.

Wenn nicht endlich ein ernsthaftes Umdenken passiert und die rasante Fällung sogar gesunder Bäume so weiter geht und der Erhalt von Bäumen nicht bei allen Planungen Vorrang hat, müssen wir unseren Enkeln bald erzählen: Gütersloh war einmal eine „Stadt im Grünen“!

Und sie werden fragen: „Was habt ihr getan?“

Angelika Daum
Vorstandsmitglied


Klimawandel fordert einen Neustart!
Der neue Regionalplan bleibt bei einem
„weiter so“ im Flächenverbrauch.

Seit November 2020 liegt der von der Bezirksregierung Detmold erarbeitete Entwurf des neuen Regionalplans OWL für die Kommunen, Verbände, aber auch für die Bürgern*innen zur Stellungnahme aus.

Für die extrem umfangreichen Unterlagen von mehreren Tausend Seiten steht nur ein kurzer Zeitraum bis zum 31. März 2021 zur Verfügung, um Einwände und Anregungen bei der Bezirksregierung abzugeben.

Der Regionalplan betrifft alle Menschen in OWL, denn er stellt die Weichen für den Flächenbedarf der nächsten 20 Jahre. Es sollen in dieser Raumplanung bzw. Regionalplanung die unterschiedlichen Anforderungen an den Raum aufeinander abgestimmt werden, Konflikte ausgeglichen und Vorsorge für einzelne Nutzungen und Funktionen des Raums getroffen werden.

Der vorliegende Planentwurf erfüllt diese Aufgabe nicht. Er hat für die Themen Klimaschutz/Klimaanpassung, Biodiversitätsschutz und eng damit verbunden Flächenverbrauch keine klar definierte und Nachhaltige Zielvorstellungen entwickelt, die für den Gesamtraum gelten. Der vorgestellt Plan ist aus unserer Sicht damit nicht Zukunftsfähigkeit.

Der Kreis Gütersloh hat laut Planung einen Bedarf an Fläche von jährlich 34,2 ha bis 2040 vorgesehen, also eine Gesamtfläche von ca. 680 ha. Das entspricht der doppelten Größe des alten Flughafens von Gütersloh. Die Kommunen melden darin ihre Flächenbedarfe an, die sie in den kommenden 20 Jahren in Bauland, Gewerbeflächen und Straßenflächen umwandeln wollen: fast 3.000 ha sind angemeldet, mehr als das 4 fache des großzügig berechneten Bedarfs!!

So darf es nicht mehr weiter gehen. Wir fordern daher eine grundlegende Überarbeitung des Planentwurfs um eine Wende in der Bodenpolitik zu erreichen.

Die Ziele einer Nachhaltigkeitsstrategie (Pariser Klimaabkommen) sind mit diesem Entwurf nicht zu erreichen. Im Regierungsbezirk Detmold haben die Flächen für Siedlung und Verkehr, die im letzten Regionalplan festgelegt waren, allein bis 2019 um mehr als 13,3 % zugenommen.

Mitmachen und seine Einwände abgeben kann jeder Bürger im Kreis Gütersloh. Der Regionalplan ist auf der Seite der Bezirksregierung zu finden und auch auf der Seite des Kreises Gütersloh.

Link – Mehr Informationen zum Regionalplan OWL





B 64n Herzebrock-Clarholz

Axtbach, Ems und Baggersee sollen Teil des Biotopverbundes werden


Die Bezirksregierung in Detmold hat die Aufgabe, den Regionalplan fortzuschreiben. Der Regionalplan berücksichtigt alle in Ostwestfalen-Lippe bis 2035 vorgesehenen Planungen z.B. für Siedlungs- und Industriegebiete, für Straßen und weitere Infrastruktur und auch für den Natur- und Klimaschutz.
Der Regionalplanentwurf berücksichtigt vornehmlich die von den Kommunalverwaltungen eingereichten Unterlagen. Aber bis zum 31. März kann jede*r Bürger*in den Regionalplan einsehen und Vorschläge bzw. Einwendungen schreiben. Das können ebenso auch Interessengruppen, Vereine und Verbände. Die Adresse siehe Link unten.

Der örtliche Arbeitskreis der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz / GNU befasst sich schwerpunktmäßig mit dem im Regionalplan beschriebenen Biotop-Verbund. Das sind Flächen und Bereiche, die insbesondere für die tierische und pflanzliche Mitwelt angesichts der intensiven Landschaftsnutzung durch Besiedlung, Gewerbe und großflächiger Landwirtschaft von herausragender Bedeutung sind. Zu diesen Flächen und Bereichen zählen für die GNU besonders die Gewässer. Gewässer und ihr Umfeld sind Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen. Damit z.B. Eisvogel, Goldammer, Stieglitz, Fledermaus sowie Fische und Libellen auch künftig und besser als bisher Nist-, Futter- und Rückzugsbereiche finden, setzen sich die Mitglieder der GNU dafür ein, den Axtbach samt Axtbachaue, das Emsgebiet Mersch und den Baggersee in Pixel in den ostwestfälischen Biotopverbund aufzunehmen. Da Herzebrock-Clarholz bisher noch keine Biotopverbundbereiche aufweist, und nur über verhältnismäßig kleinräumige Naturschutzzonen verfügt, hoffen die Initiatoren auf die Unterstützung von Politik und Verwaltung und natürlich auf.